Das Europaparlament hat um 23 Millionen Euro die Wipplingerstraße 35 gekauft.
WIEN.Wien bekommt ein „Haus der Europäischen Union“. Nachdem sich die bisherigen Büros von EU-Kommission und EU-Parlament im sechsten Stock am Kärntner Ring versteckt haben, wird die nicht gerade beliebte Union nun sichtbar. Das Europäische Parlament hat dafür das ehemalige ÖGB-Quartier in der Wipplingerstraße 35 um 23 Millionen Euro erworben. Die Vertragsunterzeichnung fand am Mittwoch statt.
„Wir müssen unsere Präsenz verstärken“, begründete der Leiter des Informationsbüros des Europäischen Parlaments in Wien, Wolfgang Hiller, den Kauf. Neben seinem Informationsbüro wird sich im Haus auch die Vertretung der Europäischen Kommission einmieten. Im Erdgeschoss wird ein großzügiges Besucher-Zentrum samt einem Veranstaltungssaal entstehen. „Es soll ein offenes Haus werden.“ Hiller will am neuen Standort nicht bloß Informationsbroschüren verteilen, sondern beispielsweise auch EU-Parlamentstagungen für jeden Interessierten übertragen. Außerdem wird es wie bisher zahlreiche Diskussionsveranstaltungen geben.
Insgesamt sollen nahe der Börse 2500 Quadratmeter Lokal- und Bürofläche entstehen. Der Umzug ist für Mitte 2009 geplant. Ein Kauf wurde der Miete vorgezogen, weil der EU-Rechnungshof allen EU-Institutionen empfohlen hatte, künftig neue Standorte wenn irgend wie möglich zu erwerben, statt teuer anzumieten. Hiller sieht darin auch einen zusätzlichen Vorteil: „Damit gibt es einen zusätzlichen Rückfluss von EU-Geldern nach Österreich.“
Spatenstich durch Verzetnitsch
Der Standort war eigentlich als neue ÖGB-Zentrale geplant. Doch kurz nach dem Spatenstich durch den damaligen Gewerkschaftspräsidenten Fritz Verzetnitsch brach die Bawag-Krise aus. Die Gewerkschaft musste die attraktive Immobilie im 1. Bezirk verkaufen, um die angeschlagenen Finanzen zu sanieren.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.08.2008)