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LIF bringt die Grünen ins Schwitzen

(c) AP (Lilli Strauss)
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„Presse“-Umfrage. In der Sonntagsfrage liegt die SPÖ wieder einen Prozentpunkt vor der ÖVP. Von den Kleinparteien haben die Liberalen das größte Potenzial. Aber auch Dinkhauser darf noch hoffen.

Freitag am frühen Abend startete die SPÖ in der Wiener Stadthalle offiziell ihren Wahlkampf. Die Genossen können diesem zuversichtlich entgegensehen. Zweierlei ist dem neuen Obmann Werner Faymann bereits gelungen: die Sozialdemokratische Partei wieder zu einen und sie – zumindest in der Meinungsforschung – auf Platz eins zu führen.

Laut einer aktuellen Umfrage des Instituts Imas im Auftrag der „Presse“ kommt die SPÖ derzeit auf 26 bis 28 Prozent und liegt damit wieder voran. Knapp gefolgt von der ÖVP mit 25 bis 27 Prozent, die monatelang die Pole-Position innehatte. Diese Umfrage ist insofern verlässlicher als viele andere, weil mit 1000 Personen ein relativ großes Sample der Bevölkerung befragt wurde. Die Umfrage fand von Dienstag bis Donnerstag dieser Woche statt.

40 % weiterhin unentschlossen

Platz drei geht klar an Heinz-Christian Straches FPÖ, gefolgt von den Grünen und dem BZÖ (siehe Grafik ganz rechts), das mit sechs bis acht Prozent den Wiedereinzug in den Nationalrat locker schaffen würde.

Die Zahl der Unentschlossenen in diesem Wahlkampf 2008 ist aber noch groß. „Rund 40 Prozent der Wähler sind noch immer auf der Suche nach der passenden Partei und können keine Antwort darauf geben, wen sie wählen würden, wenn kommenden Sonntag Nationalratswahlen wären“, sagt Imas-Geschäftsführer Andreas Kirschhofer. Daher seien auch die Ergebnisse mit „Vorbehalt“ zu nehmen. Eine „Situationsdiagnose der Stimmanteile“, so das Meinungsforschungsinstitut, sei nur mit größter Schwierigkeit möglich. Einigermaßen gesichert seien aber die massiven Stimmenverluste für SPÖ und ÖVP (im Vergleich zu den Ergebnissen der letzten Nationalratswahl) und der Zulauf zu den beiden freiheitlichen Parteien, wobei sich eine „leichte Umgewichtung“ von der FPÖ zum BZÖ abzeichne. Die Grünen stagnieren.

Imas hat auch die Daten für die fünf Kleinparteien, die bundesweit antreten, derzeit aber noch nicht im Parlament vertreten sind, erhoben: Reale Chancen auf Nationalratsmandate haben nur das Liberale Forum und die Liste Dinkhauser. Rettet Österreich hält wie die KPÖ bei ein bis zwei Prozent, die Christen rangieren mit null bis ein Prozent an letzter Stelle.

 

Grüne: 39 % liebäugeln mit LIF

 

Bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass Heide Schmidts LIF das größte Wachstumspotenzial hat. 14 Prozent der bisherigen SPÖ-Wähler könnten sich vorstellen, diesmal die Liberalen zu wählen, bei den ÖVP-Anhängern sind es immerhin 13 Prozent. Sorgen sollten sich Alexander Van der Bellens Grüne machen: Satte 39 Prozent ihrer Sympathisanten ziehen in Betracht, diesmal für das LIF zu stimmen. Einen derartigen Aderlass zu einer der Kleinparteien hat sonst keiner der größeren Player zu befürchten.

Allenfalls darf sich noch der Tiroler ÖVP-Dissident Fritz Dinkhauser Hoffnungen auf einen Einzug ins Parlament machen: Elf Prozent der bisherigen ÖVP-Wähler sind nicht abgeneigt, seine Bürgerliste zu unterstützen, von den FPÖ- und BZÖ-Sympathisanten sind es gar 14 Prozent, von den Grünen neun.

 

Mehrheit mag die Kleinen nicht

Insgesamt ist das LIF für zehn Prozent der Österreicher diesmal eine wählbare Alternative. Acht Prozent könnten sich vorstellen, Fritz Dinkhausers Bürgerforum zu wählen, fünf Prozent Rettet Österreich, drei Prozent die KPÖ. 51 Prozent ziehen jedoch keine der Kleinparteien in Erwägung.

Ein Großteil der Bevölkerung betrachtet die große Anzahl an Kleinparteien, die diesmal zur Wahl antritt, mit Skepsis: 40 Prozent sehen diese Kandidaturen als Nachteil. Nur 31 Prozent können einen Vorteil im Sinne einer größerer Auswahlmöglichkeit erkennen. In dieser kleineren Gruppe, die zum politischen Pluralismus neigt, finden sich vor allem Akademiker, Männer und Jüngere.

 

„Gedämpfter Auftrittsapplaus“

„Ungeachtet des politischen Verdrusses mit den etablierten Parteien können die neuen politischen Mitbewerber nur mit einem sehr gedämpften Auftrittsapplaus rechnen“, schließt Imas-Geschäftsführer Andreas Kirschhofer aus seinen Daten.

Auch die Parteiprogramme der Kleinparteien sind den Bürgern kaum präsent. Nur drei Prozent der Österreicher geben an, diese sehr gut zu kennen, 14 Prozent legen sich auf „ziemlich gut“ fest, 39 Prozent wissen darüber nicht besonders gut, 35 Prozent gar nicht Bescheid.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.08.2008)