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ÖVP: Obmanndebatte mitten im Wahlkampf

(c) AP (Ronald Zak)
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Zweifel an Molterer. ÖVP rechnet mit Niederlage. Kommt bald Josef Pröll, Faymanns liebster Schwarzer?

Ein „ausgeglichenes Ergebnis“ bescheinigte das ÖVP-nahe Institut Fessel-GfK in einer Blitzumfrage den TV-„Duellanten“ Jörg Haider und Wilhelm Molterer Donnerstagabend. Reicht das für Molterer, um am Wahlabend Erster zu werden? Bei den Schwarzen mehren sich explosionsartig die Zweifel am Spitzenkandidaten. Man hätte Josef Pröll aufs Schild heben sollen, meinen die einen angesichts sinkender Umfragewerte. Die anderen finden, dass der Chef des Molterer-Wahlkomitees, Franz Fischler, der geeignetere Mann gewesen wäre. Späte Einsicht. Als der ehemalige EU-Kommissar tatsächlich noch Ambitionen hatte, ließ ihn die Partei schnöde links liegen.

Und Josef Pröll? Noch gibt es kein einziges Molterer-Plakat, die ÖVP könnte fliegend die Pferde wechseln – ein Paukenschlag, der alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen würde. „Nein, die Kugel ist aus dem Lauf. Diese Diskussion ist müßig“, sagen selbst jene Mächtigen, die längerfristig auf Pröll setzen. Der Umweltminister mit den tollen Beliebtheitswerten hält sich jedenfalls derzeit auffällig zurück – fast, als spielte er das Spiel des SPÖ-Spitzenkandidaten Werner Faymann mit. Während zum Beispiel Wirtschaftsminister Martin Bartenstein landauf landab den „Bad guy“ gibt und der SPÖ ans Schienbein tritt, bleibt Pröll der zurückhaltende „Good guy“. Aus der Sicht Faymanns ist sein schwarzes Gegenüber als Regierungskoordinator der Konstruktive in der bösen „Schüssel-Molterer-ÖVP“. Das sieht – wenig überraschend – auch die „Krone“ so.

Macht sich Pröll in diesem Wahlkampf die Hände nicht schmutzig, um nachher wie Phönix aus der Asche aufzutauchen? Er kämpft – allerdings vorwiegend in Niederösterreich, wo er auch Spitzenkandidat ist. Dort, in Tulln, feiert er auch demnächst öffentlichkeitswirksam seinen 40. Geburtstag. Eigentlich könnte Pröll entspannt sein: Er ist jung genug, um warten zu können. Und wird's nix mit dem Aufstieg nach ganz oben, so hat er ein sicheres Ticket ins Raiffeisen-Reich. Dort sähe ihn Generalanwalt Christian Konrad gerne als seinen Nachfolger. Eine zu hundert Prozent „gmahte Wiesen“ ist der ÖVP-Chefposten für den Bauernbündler jedoch auch dann nicht, wenn Molterer tatsächlich verlieren sollte. ÖAAB und Wirtschaftsbund haben da noch ein Wörtchen mitzureden, können aber derzeit keinen eigenen klaren Favoriten vorweisen.

Unter Wolfgang Schüssel bot die ÖVP (auch dank dem damaligen Klubchef Molterer) ein deutlich geschlosseneres Bild. Aber das geflügelte Wort vom „Goschen halten, Hände falten“ führte letztlich auch nicht zum Sieg.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.08.2008)