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Straches Abrechnung mit der "Eiskastenpolitik"

(c) Reuters (Dominic Ebenbichler)
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Häme für die rot-schwarze Regierung, Anti-Ausländer-Parolen und Kritik an der Europa-Politik sind die Anheizer im FPÖ-Wahlkampf, den die Blauen am Freitag in Linz offiziell eröffneten.

LINZ. Er setzte auf Pathos: Heinz-Christian Strache, mit beiden Armen eine rot-weiß-rote Flagge schwenkend, trat am Freitag in Linz an, um offiziell den Wahlkampf der FPÖ zu eröffnen. Im Hintergrund: Carmina Burana.

2000 Menschen waren gekommen, um den Spitzenkandidaten der Blauen live zu sehen. „Weil ihr ein gerader und ehrlicher Menschenschlag seid“, freue er sich, hier zu sein, machte Strache am Linzer Hauptplatz gleich zu Beginn für sich Stimmung.

Zuvor hatte ihn die „John Otti Band“ nicht nur als einen im „knall-blauen Gummiboot“ mit den kleinen Leuten sitzenden, „grundehrlichen Typen“ gepriesen. Er komme gar „von den Sternen für Österreich“ – einem „Stern, der deinen Namen trägt“.

Strache startete seine Rede am frühen Abend mit einer Frontalattacke auf Rot-Schwarz: „Alle Wahlversprechen dieser Regierung wurden gebrochen. Jedes dieser gebrochenen Versprechen ist in Wahrheit auch ein gesprochenes Verbrechen.“ Die Teuerung, unter der vor allem die „eigenen Staatsbürger“ zu leiden hätten, sei auch eine Folge der Politik von SPÖ und ÖVP: „Machen wir Schluss mit den Eiskastenpolitikern Molterer und Faymann.“

Statt „die neue Wahl“ müsste es auf den SPÖ-Plakaten: „Die alte Qual“ heißen. Dafür gab es Applaus. Den größten Zuspruch aber erntete der FPÖ-Spitzenkandidat beim Thema Zuwanderung: „Es kann nicht sein, dass jeder Zuwanderer ab dem ersten Tag Anspruch auf unsere Sozialleistungen hat. Die sollen erst ein paar Jahre arbeiten, bevor sie die bekommen.“ Da erreichte die Stimmung einen Höhepunkt, an den später nur das Thema EU anknüpfen konnte: „Das einzige Geld, das die ÖVP gerne ausgibt, sind die Netto-Beiträge an die EU“.

Eine kleine Gruppe der Sozialistischen Jugend machte die FPÖ-Anhänger unruhig: „Ich begrüße unsere kommunistischen Freunde“, sagte Strache und beruhigte seine Klientel: „Lasst euch nicht provozieren. Wenn wir bestimmen, werden die statt zu pfeifen arbeiten müssen.“ Großer Jubel.
Wenig begeistert war Johann Weitmann. Abseits des Trubels stand er mit einem Becher Bier: „Nur Schaum. Dass die so gierig sind“, habe er nicht erwartet. Man solle eine Wahl nicht vom Freibier abhängig machen, aber gut finde er das nicht, sagte der Pensionist.

Restlos begeistert war dagegen Thomas P. Der 30-Jährige und einige seiner Freunde, die in Freistadt eine RFJ-Gruppe (Ring Freiheitlicher Jugend) gründen wollen, haben sich eigens Pullis bedrucken lassen. „Zuwanderung kann tödlich sein“, „Hiergeborener“ oder „Heimat im Herzen“, stand darauf zu lesen. Strache hatte ihnen aus der Seele gesprochen.

Am Ende der einstündigen Rede, als der heisere Strache versprach, alles zu geben – auch seine angeschlagene Stimme, wenn man ihn am 28. September wählen würde – hoben einige glatzköpfige Jugendliche die Hand zum Hitlergruß.