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Studiengebühr extrem: MBA um 37.000 €

(c) APA (Roberto Pfeil)
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Bald wieder gratis studieren? Nur bedingt, neben Privat-Unis halten in Österreich auch immer mehr öffentliche Hochschulen gerne die Hand auf – und das, ohne die Qualität für ihre Luxus-Kurse zu belegen.

Die Studiengebühren in Österreich betragen inklusive ÖH-Beitrag 726,72 Euro pro Jahr. Die könnten demnächst abgeschafft werden, dann wäre Studieren in Österreich wieder gratis. Stimmt's? Nicht ganz: Der genannte Tarif gilt für reguläre Studien an öffentlichen Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen. Darüber hinaus zahlen aber zehntausende Österreicher freiwillig teils drastisch höhere Gebühren: Für Lehrgänge, Postgraduate-Studien, Fernstudien, Kurse von Privat-Unis oder an Unis im Ausland.

Wie viele es genau sind, weiß man nicht so genau – genaue Zahlen sind Mangelware. Mehr als 15.000 Studierende (sieben Prozent der heimischen Studentenpopulation) entfallen aber schon allein auf Privat-Unis und kostenpflichtige Uni-Lehrgänge.

Zwölf Privatuniversitäten hat Österreich, sie bilden gut 4200 Studierende aus. Tendenz stark steigend, schon in zwei Jahren könnten es doppelt so viele sein. Private Unis decken ihre Kosten großteils aus Gebühren – an der Sigmund Freud Universität in Wien, die keinerlei Finanzspritzen von staatlicher Seite erhält, sind beispielsweise etwa 9500 Euro im Jahr fällig, ein durchaus gängiger Tarif für private Hochschulen in Europa. Im Gegenzug gibt es persönliche Betreuung, adäquate Infrastruktur statt langer Wartezeiten und hochwertige Lehrinhalte.

 

Öffentliche Unis kassieren ab

In Relation zu den etwa 224.000 inländischen Studenten an öffentlichen Unis, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen sind Studierende an Privat-Unis noch seltene Neulinge in der österreichischen Bildungslandschaft.

Allerdings halten auch öffentliche Universitäten die Hand zum Kassieren mit steigendem Selbstbewusstsein auf: Rechtlich ist das über „Lehrgänge universitären Charakters“ und „Universitätslehrgänge“ gedeckt. Dafür dürfen die Unis Beiträge einheben – zur „Kostendeckung“. Im Rahmen ihrer Autonomie können Hochschulen sogar Firmen gründen, die lukrative „Postgraduate Studien“ als Master-Kurse vermarkten.

Die Gebühren dafür können beträchtlich sein: Ein „Executive MBA“ an der WU Wien kostet stolze 37.000 Euro und dauert 14 Monate. Die WU liegt damit im Spitzenfeld, aber auch MBAs anderer Hochschulen unterschiedlichster Ausrichtung kosten üblicherweise rund 25.000 Euro. Zum Vergleich: Die Studiengebühren für den weltweit wohl legendärsten MBA an der Harvard Business School belaufen sich – begünstigt durch die Dollarschwäche – auf derzeit etwa 31.000 Euro im Jahr.

 

Qualitätsprüfung mangelhaft

Österreichische Unis auf Harvard-Niveau? Lehrgänge öffentlicher Unis müssen im Gegensatz zu denen von Privat-Unis nicht akkreditiert werden, eine Qualitätssicherung erfolgt allein nach Dafürhalten der jeweiligen Hochschule. Viele „Master“-Programme sind auch nicht mit dem europäischen Punkteschema für Leistung (ECTS) abgestimmt, wodurch eine „Qualitätsprüfung“ nicht gerade leichter wird.

Das liberalisierte Bildungswesen in Österreich stürmt enthusiastisch auf den freien Markt. Die Bereitschaft, für Ausbildung viel Geld zu zahlen, steigt. Wird sich das soziale Gefälle durch den Trend zum kostenpflichtigen Studium noch verstärken? Schon heute ist Österreich in Sachen „Bildungsschancen für Arbeiterkinder“ das Schlusslicht innerhalb der OECD-Länder (siehe unten).

Direkte Fördermaßnahmen für sozial Benachteiligte wären allen Universitäten – etwa in Form von Stipendien – rechtlich möglich, allerdings fehlen zumeist die finanziellen Mittel. Hier könnten sich Privat-Unis schnell als flexibler erweisen: Sie suchen sich ihre Studenten selbst aus und können dabei auch soziale Kriterien anwenden. Privat-Unis werden oft dem Vorwurf ausgesetzt, Hochschulen für Privilegierte zu sein. Schon aus PR-Gründen stehen ihnen Stipendien für Studenten aus „bildungsfernen“ Schichten gut.

Die Paracelsus Universität in Salzburg hat im laufenden Studienjahr beispielsweise knapp 142.000 Euro an Stipendien ausgezahlt, im Schnitt etwa 3000 Euro für jeden der 46 Empfänger. Angesichts der Gebühren von 9530 Euro nur ein Zuschuss – aber immer noch mehr, als Postgraduate-Studenten an öffentlichen Unis üblicherweise beziehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2008)