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DiePresse.com-Chat: Heide Schmidt im Porträt

(c) Michaela Bruckberger

Heide Schmidt, Chefin des Liberalen Forums, ist zurück auf der politischen Bühne. Neun Jahre nach ihrem Rückzug aus der Politik kämpft sie wieder für den Einzug in den Nationalrat. Am 5. September war sie zu Gast im DiePresse.com-Chat.

Lange war es still um Heide Schmidt, die Gründerin des Liberalen Forum. Umso größer war die Freude bei ihren Anhängern, als sie Ende Juli ihre Rückkehr in die Politik ankündigte. Dabei hat die 59-jährige lange gezögert. Erst unzählige Anrufe, Gespräche und E-Mails sollen sie umgestimmt haben. Wie man einen Wahlkampf führt, weiß Schmidt. Oft genug hat die ehemalige FPÖ-Politikerin in ihrer politischen Karriere für ihre Ideen geworben. Dabei hat sie vor allem eins: Angeeckt und polarisiert. Pseudoliberal, ohne politisches Gespür und opportunistisch - so wird sie von ihren Gegner charakterisiert.

Heide Schmidt wird 1948 im Allgäu als Tochter von vertriebenen Sudetendeutschen geboren. Zwei Jahre nach ihrer Geburt ziehen ihre Eltern nach Wien, wo Schmidt auch aufwächst. Schon während ihrer Studentenzeit beginnt sie sich politisch zu engagieren und wird Mitglied im Ring Freiheitlicher Studenten (RFS). Nach ihrem Jus-Studium bekommt sie einen Job im Unterrichtsministerium. 1973 tritt sie der FPÖ bei. In den 1980er Jahren begleitet und unterstützt sie den rasanten Aufstieg Jörg Haiders in der FPÖ. Haider dankt es ihr, indem er sie 1988 zur Generalsekretärin der Freiheitlichen macht. Erst ein Jahr zuvor ist sie als erste FPÖ-Politikerin in den Bundesrat eingezogen.

Weg von Haider

Nach der Nationalratswahl 1990 steigen die Freiheitlichen endgültig von einer Klein- zu einer Mittelpartei auf und Schmidt wird zur dritten Nationalratspräsidentin. 1992 tritt sie als FPÖ-Kandidatin bei der Bundespräsidentenwahl gegen Thomas Klestil und Rudolf Streicher an. Das Verhältnis zu Jörg Haider wird währenddessen spürbar schlechter. Schmidt sieht sich im liberalen und nicht im deutsch-nationalen Eck der FPÖ. Während Haiders Anti-Ausländer-Politik immer schriller wird und im so genannten „Ausländervolksbegehren" gipfelt, distanziert sich Schmidt zusehendes von Haider.

Nur wenige Tage nach dem erfolglosen Volksbegehren der FPÖ tritt Schmidt mit vier anderen Freiheitlichen aus der Partei aus und gründet das Liberale Forum. Zu Zeiten der vollkommenen Dominanz der österreichischen Innenpolitik durch Jörg Haider ist sie der natürliche Gegenspieler Haiders - das liberale Gesicht der österreichischen Innenpolitik. Bei der Wahl 1994 schaffen die Liberalen problemlos den Einzug in den Nationalrat. Doch Österreich ist ein Land, in dem ungeteilter gesellschaftlicher aber auch wirtschaftlicher Liberalismus nur wenig Tradition hat. Ihre politischen Vorschläge stoßen zum Teil auf heftigen Widerstand. Sie stellt das Kruzifix im Klassenzimmer infrage, plädiert für die Gleichstellung von homosexuellen Paaren und setzt sich für die Entkriminalisierung von „weichen" Drogen ein. Diese Standpunkte machen sie für viele Österreicher unwählbar.

Der Niedergang des Liberalen Forums

Zudem gelingt es den Liberalen nicht, eine überzeugend große Basis in den Bundesländern zu errichten. Bei den vorgezogenen Nationalratswahlen 1995 überholen sie noch die Grünen. Doch nach Niederlagen bei zahlreichen Landtagswahlen ist 1999 auch im Nationalrat Schluss - die Liberalen fliegen aus dem Parlament und Schmidt zieht sich aus der Politik zurück. Ein wesentlicher Grund für die Wahlniederlage der Liberalen war in den Augen vieler auch ihre Kampagne gegen die auflagenstärkste Tageszeitung des Landes: „Die Kronen Zeitung". Nach einer Plakatkampagne gegen die „Krone" verweigerte diese die Berichterstattung über das Liberale Forum und Heide Schmidt.

Neun Jahre danach hofft sie nun auf ihr Comeback im Nationalrat und setzt dabei auf politikverdrossene Wähler, die genug von den Großparteien haben. Schmidt ist sicher: „Für eine liberale Partei in Österreich ist das eine einmalige Chance."