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Große Nachfrage: Suizidhelfer Kusch richtet Homepage ein

Roger Kusch
AP (Joerg Sarbach)
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Für bis zu 8000 Euro bietet der ehemalige Hamburger Justizsenator Roger Kusch seine umstrittene Suizidhilfe und Sterbe-Begleitung an. Eigenen Angaben zufolge hat er 300 bis 500 Anfragen aus ganz Deutschland.

Der ehemalige Hamburger Justizsenator Roger Kusch hat für seine umstrittene Suizidhilfe eine eigene Internet-Seite eingerichtet. Seit Montag finden Sterbewillige dort "eine erste Orientierung", wie Kusch in Hamburg erklärte. Neben den Voraussetzungen und dem zeitlichen Ablauf nennt der promovierte Jurist auf der Website erstmals einen Preis: Bis zu 8000 Euro soll seine Sterbebegleitung kosten.

Mit der Seite reagiert Kusch nach eigenen Angaben auf die große Anfrage. Seit vor zwei Monaten seine Begleitung einer Frau aus Würzburg publik wurde, habe er 300 bis 500 Hilfsgesuche bekommen, sagte Kusch der Nachrichtenagentur AP. Ende Juni hatte er die 79-jährige Bettina S. begleitet, die sich mit einem tödlichen Medikamenten-Mix das Leben nahm.

Erste Begleitung ohne "Selbsttötungsautomat"

Der von Kusch entwickelte Selbsttötungsautomat war dabei nicht zum Einsatz gekommen. Die Staatsanwaltschaft Würzburg hatte Ermittlungen zu den Umständen des Todes aufgenommen.

Mit der neuen Website will Kusch nach eigenen Angaben Menschen die Möglichkeit bieten, festzustellen, ob sie überhaupt für seine Suizidbegleitung infrage kommen. So erklärt er dort beispielsweise, nur Menschen zu unterstützen, die an einer unheilbaren körperlichen Erkrankung leiden.

Zu dem Preis heißt es dort, der Betrag werde individuell vereinbart "unter Berücksichtigung der finanziellen Situation des Sterbewilligen". Die Kontakte bis zum ersten persönlichen Treffen seien kostenlos.

Seine erste Suizidbegleitung hatte Kusch noch kostenlos angeboten. Einen Termin für die nächste Sterbehilfe gebe es noch nicht, er sei derzeit aber in ganz Deutschland mit einigen Menschen in konkretisierenden Gesprächen, sagte Kusch.

Kritik von Hospiz und Politik

Der geschäftsführende Vorstand der Deutschen Hospiz Stiftung, Eugen Brysch, erklärte in Berlin, Kusch habe seine Maske fallenlassen: "Statt sich tatsächlich an die Seite Schwerstkranker und Sterbender zu stellen, geht es ihm ganz billig ums Geschäft." Brysch forderte die Politiker auf, sich endlich über Parteigrenzen hinweg auf ein Verbot der kommerzialisierten Beihilfe zum Suizid zu einigen: "Suizidhilfe ist keine Sterbebegleitung."

Auch die bayerische Justizministerin Beate Merk kritisierte Kuschs "Geschäftemacherei mit dem Tod". Mit der Internetwerbung und der unverhohlenen Geldforderung werde "der ganze Zynismus und die Menschenverachtung der kommerziellen Suizidbeihilfe nun für jedermann offenbar".

(APA)