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DiePresse.com-Chat: Jörg Haider im Porträt

(c) APA Markus Leodolter
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Jörg Haider ist das Stehaufmännchen und ewiger Provokateur der österreichischen Innenpolitik. Von 12 bis 13 Uhr stellt sich Haider den Fragen der DiePresse.com User.

Jörg Haider hat sich in seiner Politkarriere viele Feinde gemacht. Wegen ihm sind mehrere Regierungen zerbrochen und EU-Sanktionen gegen Österreich verhängt worden. Haider beherrscht sein populistisches Handwerk bis zur Perfektion. Er führte die Freiheitlichen zum größten Erfolg ihrer Geschichte und galt lange Zeit als unaufhaltsamer Aufsteiger. Bis er nach dem legendären Parteitag in Knittelfeld die schwarz-blaue Koalition sprengte und kurz darauf seine eigene Partei - das BZÖ - gründete. Der Einzige der Haider stoppen konnte, war Haider selbst - und das hat er oft genug getan.

Zur Welt kommt Haider im Jänner 1950 in Bad Goisern in Oberösterreich. Nach seiner Matura 1968 übersiedelt er nach Wien, wo er sich für das Rechtswissenschaftsstudium einschreibt. Politisch macht Haider auf sich aufmerksam, als er während seines Studiums den Ring Freiheitlicher Jugend aufbaut, dessen Sprecher er für mehrere Jahre auch ist. 1973 schließt er sein Studium ab und arbeitet als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Wien. Vier Jahre später macht er die Politik zu seinem Beruf. Er wird FPÖ-Landesparteisekretär in Kärnten.

Haiders Aufstieg an die Spitze der FPÖ

Der erste große Höhepunkt seiner Politkarriere im Jahr 1985 ist sein Aufstieg zum FPÖ-Landesparteivorsitzenden von Kärnten. Ein Jahr später kann die FPÖ bei den Landtagswahlen in Kärnten massive Zugewinne verzeichnen - jetzt will Haider ganz nach oben. Bei einem Sonderparteitag im September 1986 löst er in einer Kampfabstimmung den bisherigen FPÖ-Parteivorsitzenden, Norbert Steger, ab. Woran die rot-blaue Koalition unter SPÖ-Kanzler Franz Vranitzky zerbricht. Vranitzky weigert sich mit Haider zusammenzuarbeiten. Bei den darauf folgenden Neuwahlen verdoppelt sich die FPÖ auf Bundesebene beinahe und erreicht 9,7 Prozent der Wählerstimmen.

Die FPÖ driftet nach rechts

Haiders politische Zielsetzung ist zu dieser Zeit vor allem der Kampf gegen das „Postenschachersystem", das sich laut Haider in Österreich breit gemacht hat. 1989 wird Haider zum ersten Mal Landeshauptmann von Kärnten - erstmals seit 1949 gehört in Österreich ein Landeshauptmann nicht der SPÖ oder der ÖVP an. Vom Gipfel seiner Karriere stößt sich Haider 1991 selbst hinunter. Haider hält der Bundesregierung in Wien die „ordentliche Beschäftigungspolitik" im dritten Reich vor und bezeichnet diese als beispielhaft. Haider erntet einen Sturm der Entrüstung und stürzt schließlich über einen Misstrauensantrag im Kärntner Landtag, den sein Koalitionspartner, die ÖVP, unterstützt. Seinen Job als Kärntner Landeshauptmann ist Haider zu diesem Zeitpunkt los. Aufgrund seiner rechten Parolen und seiner verbalen Entgleisungen verliert die FPÖ ihren liberalen Flügel und driftet immer weiter nach rechts ab.

1992 wechselt Haider in den Nationalrat nach Wien und sorgt dort wiederholt für Aufregung. 1994 initiiert die FPÖ das so genannte "Ausländervolksbegehren", das aber zu einem Misserfolg für die FPÖ wird. Im Parlament sorgt er wiederholt für Aufregung. 1995 bezeichnet er die Konzentrationslager der Nationalsozialisten als "Straflager".

Rückkehr nach Kärnten

Erst 1999 kehrt Haider nach Kärnten zurück und wird dort mit einem Wahlergebnis von 42,1 Prozent erneut zum Landeshauptmann gewählt. Auch auf Bundesebene kann Haider den größten Erfolg seiner Karriere verbuchen. Bei der Nationalratswahl steigt die FPÖ zur zweitgrößten Partei auf und verdrängt die ÖVP auf den dritten Platz. Was folgt ist die schwarz-blaue Koalition unter Wolfgang Schüssel. Die Regierungsbeteiligung der rechten FPÖ löst im ganzen Land, aber auch im Ausland massive Proteste aus. Die EU verhängt Sanktionen gegen Österreich und Israel erteilt Jörg Haider ein Einreiseverbot. Haider zieht sich wieder nach Kärnten zurück - doch aus den Schlagzeilen verschwindet er nicht. 2002 besucht er den irakischen Diktator Saddam Hussein und kommentiert dessen spätere Verhaftung als „Schmierenkomödie der Amerikaner". Die Süddeutsche Zeitung schreibt über Haider: "Die Sucht nach Aufmerksamkeit, die kindische Lust am Radau treibt einen politisch und physisch rapide alternden Egomanen zu solchen Ausritten."

Der Absturz

Es scheint, dass auch die Sucht nach Selbstzerstörung Haider antreibt. Wegen parteiinterner Konflikte und der Intervention durch Haider tritt die FPÖ-Führungsmannschaft in der schwarz-blauen Regierung geschlossen zurück. Bundeskanzler Schüssel ruft daraufhin Neuwahlen aus - die FPÖ stürzt von 26 auf nur noch zehn Prozent ab. Die nächste Koalition ist trotz allem wieder eine schwarz-blaue. Nach zahlreichen Wahlniederlagen bei Kommunalwahlen in Niederösterreich und der Steiermark beschließt Haider die Abspaltung von der FPÖ und gründet das Bündnis Zukunft Österreich, das die Regierung mit der ÖVP fortsetzen kann.

Doch von alten Glanzzeiten ist Haider weit entfernt. Nur noch in Kärnten genießt er beinahe uneingeschränkte Popularität. Von der Bundespolitik will er offiziell nichts mehr wissen. 2006 schafft es das BZÖ nur noch knapp ins Parlament. Erst im August dieses Jahres kehrt Haider wieder an die Spitze des BZÖ auf Bundesebene zurück. Er soll an alte Erfolge anknüpfen. Umfragen prophezeien dem BZÖ ein Ergebnis von sieben Prozent.