Ein heimischer Zulieferer baut Teile für den Nano. Mit den Preisen kann er leben.
Wien.Das 1500-Euro-Auto Tata Nano soll die wachsende Mittelklasse in den Wachstumsmärkten Asiens motorisieren. Das ist der Traum von Firmenchef Ratan Tata. Mithelfen wird dabei auch Technologie aus Österreich. Denn der oberösterreichische Autozulieferer Hoffmann & Co. liefert Teile für die Starter und die Benzinpumpen des Nano, die zusammen mit dem deutschen Bosch-Konzern entwickelt wurden.
„Als Zulieferer ist man ja gewöhnt, dass man bei den Preisen richtiggehend geprügelt wird. Daher hatten wir auch in diesem Fall kein Problem den geforderten Preis zu bieten“, sagt Hoffmann-Chef Franz Gebetsroither. Die Preise seien zwar leicht unter jenen, die normalerweise bei westlichen Autokonzernen gezahlt werden. „Die Marge ist aber annähernd so hoch. Denn aufgrund der hohen Stückzahlen fallen die Entwicklungskosten schwächer ins Gewicht“, so Gebetsroither. 250.000 Stück des Nano sollen laut Tata 2009 produziert werden, später soll pro Jahr sogar mehr als eine Mio. Autos hergestellt werden.
Abwehr von neuen Konkurrenten
Auf die Qualität habe der Preisdruck daher keine Auswirkungen gehabt, sagt Gebetsroither weiter. „Die von uns gelieferten Teile halten so lange wie das Auto. Das dürfte beim Nano natürlich etwas kürzer sein als bei einem europäischen Fahrzeug.“ Tata setzte beim Nano allgemein stark auf westliches Know-how. Ein Großteil der Elektrik und Antriebsmechanik kommt von etablierten Zulieferern. Für diese geht es dabei auch um die Abwehr möglicher neuer Konkurrenten. So meinte etwa Bernd Bohr, Chef der Bosch Automotive Group: „Für uns wäre es eine Gefahr, wenn die lokalen Hersteller die Technologie lernen und uns dann in Europa von unten attackieren.“
Hoffman & Co. ist Weltmarktführer bei Elektrokohlen. Diese werden zur Stromübertragung bei beweglichen Teilen benötigt. Mit rund 830 Mitarbeitern – 460 davon in Ungarn – erzielte der zum deutschen Schunk-Konzern gehörende Zulieferer im Vorjahr rund 70 Mio. Euro Umsatz.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.09.2008)