Die Erderwärmung bringt zwar nicht mehr tropische Wirbelstürme, macht sie aber gefährlicher – schließen US-Forscher aus Daten von (nur) 25 Jahren.
Gustav hat in New Orleans doch nicht so schrecklich gewütet wie befürchtet, lange nicht so arg wie Katrina 2005, er zieht auch längst weiter. „Gustav moving into Southwest Arkansas with heavy rain“, hieß es gestern, Mittwoch, auf der Homepage der „National Oceanic and Atmospheric Administration“ (NOAA, www.nhc.noaa.gov). Seine Nachfolgerin Hanna hat soeben Haiti heimgesucht; Ike und Josephine, noch über dem Atlantik, ziehen unaufhaltsam westwärts . . .
Das Alphabet geht weiter, alle Jahre wieder. Die tropischen Wirbelstürme mit einer maximalen Windstärke von über 64 Knoten (ca. 33 Meter pro Sekunde) – das ist die Definition von Hurrikanen –, die über dem Nordatlantik toben, werden seit 1960 vom „National Hurricane Center“ benannt: abwechselnd mit weiblichen und männlichen Vornamen, nach sechs Listen, die alternierend eingesetzt werden, von Andrea bis Wendy, von Arthur bis Wilfried, ohne Q, U, X, Y und Z, also 21 Stück, das müsste reichen, dachte man. 2005 reichte es das erste Mal nicht, seither benennt man die nordatlantischen Hurrikane ab dem 22. der Saison ganz schlicht mit griechischen Buchstaben.
Dieser zusätzliche Buchstabenbedarf spricht intuitiv für Thesen, die viele Klimaforscher vertreten: Tropische Wirbelstürme werden mit der Erderwärmung a) häufiger und/oder b) stärker. Die erste These stimmt vermutlich doch nicht, wenn man alle Wirbelstürme zählt und nicht nur die starken.
Und die zweite? Das hängt von der Region ab, die man betrachtet. Traditionell unterscheidet man sieben Verbreitungsgebiete („Becken“), drei im Pazifik, drei im Indischen Ozean und eines im nördlichen Atlantik. Nur für dieses ergibt die Auswertung der Daten aus den letzten 25 Jahren, dass die Wirbelstürme im Durchschnitt stärker geworden sind. Das geben auch die Meteorologen um James B. Elsner (Florida State University) in ihrer Analyse in Nature (455, S. 92) zu.
Je wärmer das Meer, umso mehr Energie
Allerdings sei die Intensität der stärksten Wirbelstürme in fast allen Becken – mit Ausnahme des besonders warmen Südpazifiks – gestiegen, wobei es ziemlich egal ist, wie man „stärkste“ definiert, als die stärksten 30 Prozent oder als die stärksten fünf Prozent. Nimmt man z. B. 20 Prozent, dann steigt die Anzahl der stärksten Wirbelstürme pro Jahr um 31 Prozent, wenn die Oberflächentemperatur des Atlantiks um ein Grad Celsius steigt. (Die Sturmdaten aller Becken werden mit den Atlantik-Temperaturen korreliert, weil es für die anderen Meere keine guten Messdaten gibt, das ist ein offensichtlicher Mangel dieser Arbeit.)
Dass die Wirbelsturmintensität von den Oberflächentemperaturen der Ozeane abhängt, entspricht der intuitiv überzeugenden „Wärmemaschinentheorie“ der Wirbelstürme: Je wärmer das Meer ist, umso mehr Energie kann der Ozean in kinetische – und potenziell zerstörerische – Energie des Wirbelsturms verwandeln. (Wobei die Stürme durch die Wärme angetrieben werden, die entsteht, wenn das über dem Meer verdampfte Wasser wieder kondensiert.) Wirbelstürme bilden sich auch erst ab einer bestimmten Temperatur (26,5 Grad Celsius).
Die Autoren räumen ein, dass es auch andere Einflüsse auf die Wirbelsturmintensität gibt, die sie nicht berücksichtigen, z. B. die Sonnenaktivität und El Niño, aber auch der Entstehungsort des Sturms.
25 Jahre sind auch für globale Phänomene eine recht kurze Zeit: Es ist nicht auszuschließen, dass die beobachtete Intensivierung der Wirbelstürme zumindest zum Teil von einer natürlichen Klimaschwankung kommt, etwa von der atlantischmultidekadischen Oszillation, die eine Periode von 60 Jahren hat.