Minus 50 Prozent“ für „Tutanchamun“. Auch so kann eine Ausstellung der Superlative zu Ende gehen.
Den Besuchern, die für eine Karte noch 18 Euro berappen mussten, sei hier ein Wort des Trostes von KHM-Generaldirektor Wilfried Seipel mitgegeben, das er uns zur Eröffnung dieses angeblich so sicheren Publikumserfolgs geschenkt hat: „Es ist nicht das Gold allein, das zählt.“
Stimmt. Gold oder nicht, Hauptsache, es protzt im Marketingsprech, der aus den Bundesmuseen tönt. Ohne zu jeder nur halbwegs repräsentablen Besucherzahl medienwirksam Blumen überreichen zu können, verschweigt ein Direktor eine Ausstellung lieber völlig. Was angesichts von angekündigten 500.000 Besuchern für „Tutanchamun“ bis Ende September skeptisch stimmt – nur die ersten 200.000 verkauften Tickets wurden verlautbart. Im Mai. Seither: Stille.
Als superlative Superlativen-Schleuder hat sich aber die Albertina etabliert. So irre lesen sich dann auch die Schlagzeilen für die neue, sehr anständige Van-Gogh-Ausstellung: „Van Goghs 140 größte Hits“ könnte sich höchstens das Metropolitan Museum leisten. Eine „Sternstunde für die Albertina“ ist sehr relativ. Und das erste Mal Zeichnungen und Malerei Van Goghs nebeneinander zu hängen, dieser gloriose Geistesblitz ist in den 118 Jahren seit des Meisters Tod wohl auch schon anderen Ausstellungsmachern vor Schröder eingeschossen. Nur um seinem Vorhaben ein „erstes Mal“ voranstellen zu können, verleugnet Schröder sogar die eigenen Ausstellungen: 1996 zeigte er im Kunstforum 90 Werke van Goghs – im Vergleich mit der Haager Schule. Was ihren Wert aus dem Blickwinkel einer Bastei herab anscheinend zu mindern scheint.
Ja, die Sponsoren sind schuld an diesen Peinlichkeiten. Und die Politiker. Die Verantwortung für diese Unkultur aber tragen die Museumschefs, die anscheinend nicht in der Lage sind, den Entscheidungsträgern weniger platte Gründe zu vermitteln, sich für kulturelles Erbe zu engagieren, als lächerliches Marktgeschrei à la „Welturaufführung“. In diesem Jargon kann Kunst dann auch schnell nur mehr „minus 50 Prozent“ wert sein.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.09.2008)