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Muna Duzdar: Die palästinensische Parlamentarierin

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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„Als Migranten-Kind habe ich mich früher nie wirklich gleich behandelt gefühlt“, sagt Muna Duzdar.

Muna Duzdar wird neue SPÖ-Staatssekretärin. Hier ein Porträt aus dem Jahr 2008.

Ihre Eltern kamen aus Palästina, sie selbst wuchs in Wien auf. „Als Ausländerkind hat man schon hohe Hürden zu überwinden. Im Gymnasium habe ich mir anfangs sehr schwer getan, vor allem in Deutsch“, sagt sie. Heute ist Muna Duzdar Konzipientin in einer Anwaltskanzlei im 1. Wiener Bezirk. Und Kandidatin der SPÖ für die Nationalratswahl, mit einem relativ sicheren Mandat im Regionalwahlkreis Wien-Nord.

Dort, in der Donaustadt, war sie als Schülerin wegen der Sozialpolitik der SPÖ zur Sozialistischen Jugend (SJ) gegangen. Zudem sei die SPÖ, die Partei Bruno Kreiskys, für ein Kind palästinensischer Zuwanderer natürlich sehr attraktiv gewesen. „Bei uns wurde Kreisky immer sehr geschätzt.“

Später wurde Duzdar Internationale Sekretärin der SJ, Vizepräsidentin der Sozialistischen Jugendinternationale und engagierte sich in der Mietervereinigung. In Brüssel arbeitete sie für EU-Mandatar Herbert Bösch. In Paris, im durch die Jugendkrawalle bekannt gewordenen Vorort Clichy-sous-Bois, unterrichtete sie Deutsch an einer Schule, studierte an der Sorbonne und verglich dort die Rechtssysteme arabischer Länder.

Bei der PS in Frankreich

Während ihrer Zeit in Frankreich war sie auch für die Parti Socialiste (PS) tätig. Diese ticke mentalitätsmäßig so ganz anders als die österreichische SPÖ, meint Duzdar. Die PS sei keine Partei der Arbeiterschaft, sondern eine des Mittelstands, der Lehrer, der Beamten, der Intellektuellen. Es gebe eine rege Debattenkultur, die PS sei wesentlich elitärer als die SPÖ.

Muna Duzdar ist Muslimin, aber sie sei nicht religiös, sagt sie. „Als Migranten-Kind habe ich mich früher nie wirklich gleich behandelt gefühlt.“ Die politische Arbeit in der SPÖ habe ihr geholfen, sich zu integrieren. Neben der Wohnpolitik liege ihr vor allem die Bildungspolitik, „der freie Zugang zur Bildung“, am Herzen. Eine Gesamtschule würde Nachteile ausgleichen und die schlechtere Ausgangsposition wettmachen, unter der auch sie litt. „Meine Eltern sprachen zuhause kaum Deutsch.“ Für Kinder aus bildungsfernen Schichten sei der gesellschaftliche Aufstieg nach wie vor sehr schwierig. Hier müsse die Schule Hilfe leisten.

Und wie steht sie, die bei Herbert Bösch, dem Kritiker des Faymannschen EU-Kurses gearbeitet hat, zum Europa-Schwenk ihrer Partei? „Auch ich war über die Form, dies kundzutun, nicht erfreut.“ Aber sie habe in Brüssel selbst miterlebt, wie sehr sich die Institutionen der EU auf die Wirtschaft beschränken. „Die Arbeitgeber haben die viel größere Lobby als die Arbeitnehmer.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.09.2008)