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Das System „Krone“: Die Familienfirma des Hans Dichand

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Ein Verstorbener, der täglich eine Kolumne schreibt – beziehungsweise, aus dessen „Vermächtnis“ zitiert wird: Dieses Faktum macht die „Kronen Zeitung“ einzigartig. Kräuterpfarrer Hermann-Josef Weidinger starb 2004, nach wie vor erscheint sein „Hing'schaut und g'sund g'lebt“.

International nicht ganz so einzigartig, aber doch äußerst ungewöhnlich ist die Reichweite der „Krone“: 42,2 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren lesen sie regelmäßig (Media-Analyse 2007), auf Platz zwei liegt die „Kleine Zeitung“ – mit 11,8 Prozent. Zum Vergleich: Die „Bild“-Zeitung verkauft zwar viermal so viele Exemplare wie die „Krone“ – laut Auflagenkontrolle 3,4Millionen täglich. Deutschland hat aber rund zehnmal so viele Einwohner wie Österreich.

Der österreichische Medienmarkt ist stark konzentriert: 1988 gründete die „Krone“ gemeinsam mit dem „Kurier“ den Verlag Mediaprint. Dieser besorgt nun für die größte und die drittgrößte Zeitung im Land Druck, Vertrieb und Anzeigenverkauf. Außerdem betreiben die beiden Partner „Kronehit“, die größte Privatradio-Kette des Landes.

Der „Kurier“ gehört – wie die „Krone“ – zur Hälfte der deutschen WAZ. Die andere Hälfte (genau: 50,56%) hält zum Gutteil Raiffeisen. Im Jahr 2000 ließ Österreichs Medienpolitik noch zusätzlich die Verknüpfung der Mediaprint mit „Formil“ (Verlagsgruppe News und „Profil“) zu.

 

Die WAZ, der ungeliebte Partner

„Krone“ und „Kurier“ erreichen gemeinsam täglich mehr als die Hälfte der österreichischen Bevölkerung, bei den Magazinen gehören zwei der drei größten zur Gruppe.

Die WAZ war – als ungeliebter Partner – an Bord gekommen, als Dichand Ende der Achtzigerjahre seinen mittlerweile verstorbenen Exkompagnon Kurt Falk auszuzahlen hatte. Dichand blieb aber im Inhaltlichen der Alleinherrscher: Die WAZ, derzeit in Österreich vertreten vom ehemaligen SPÖ-Generalsekretär Andreas Rudas, lässt Dichand bei der Blattlinie freie Hand. Offiziell gibt die „Krone“ die „Vielfalt der Meinungen ihres Herausgebers und der Redakteure“ wider, als inoffizielle Version Dichands wurde immer wieder die Trias „Kinder, Mädchen, Tiere“ zitiert.

Doch war der große, auch im Osten aktive WAZ-Verlag nicht einverstanden, als Dichandsen. 2003 den Chefredakteurssessel seinem Sohn Christoph „vererbte“. Man prozessierte. Die Deutschen wollten Dichandjr. den langjährigen Sportchef Michael Kuhn zur Seite stellen. Dichand der Ältere verwies Kuhn der Redaktion – und bekam auch vor Gericht recht.

 

„Hans Dichand“ statt „Cato“

Hans Dichand ist trotz seiner 87Jahre weiterhin der Meinungsmacher der „Krone“: Zuletzt schrieb er ein Weblog und fast täglich Kommentare, die er mit seinem Namen kennzeichnete. Früher hatte er eher das Pseudonym „Cato“ verwendet – das von jenem römischen Feldherren und Senatoren stammt, der im Übrigen der Meinung war, dass Karthago zerstört werden müsse. Der Name der „Krone“ kommt vom Monatsabo-Preis der Zeitung zur Gründung 1900. Charakteristisch für sie sind die Kolumnen und Rubriken, darunter „In den Wind gereimt“ von Wolf Martin, der darin schon verschlüsselt Hitler huldigte.

Kritik versucht Dichand zu ersticken: Den „Krone“-kritischen Wiener „Falter“ trieb er fast in den Ruin. Eine belgische Filmemacherin blickte 2002 mit Dichands Einwilligung hinter seine Kulissen. Sie begleitete ihn etwa zum Guglhupf-Essen beim damaligen Präsidenten Thomas Klestil. Als „Arte“ die kritische Dokumentation ausstrahlte, strich die „Krone“ den deutsch-französischen Kulturkanal aus ihrem Fernsehprogramm.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.09.2008)