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Steyr-SSF: Standort Simmering bis 2013 gesichert

Verhandlungen mit Prag kurz vor Abschluss. Keine Hoffnung auf umstrittenen Patria-Deal in Slowenien.

Wien (mac). In spätestens acht Wochen soll der Panzer-Deal zwischen Steyr-SSF, der heimischen Tochter des US-Konzerns General Dynamics (GD), und dem tschechischen Verteidigungsministerium unter Dach und Fach sein. Man habe eine „für beide Seiten gangbare Lösung gefunden“, erklärte Lutz Kampmann, Vizepräsident für Radfahrzeuge bei GD ELS, am Montag vor Journalisten in der Simmeringer Rüstungsschmiede.

Wie berichtet, hatte sich Tschechien im Herbst vergangenen Jahres aus dem 800-Mio.-Euro-Vertrag schweren Vertrag zurückgezogen. Die bestellten Panzer seien zu spät und mangelhaft angeliefert worden, lautete die Begründung. „Der Panzer hat mittlerweile alle Tests bestanden“, betonte Kampmann. Die 17 gefertigten Stück stünden allerdings immer noch im Simmeringer Werk herum.

Doch von einem Komplettausstieg ist längst keine Rede mehr. Man werde nach Tschechien liefern, wenn auch „signifikant weniger“ als vorgesehen, ist man bei Steyr-SSF überzeugt. Ursprünglich hätte Tschechien 199 Radpanzer des Typs „Pandur II“ kaufen sollen. Die Halbierung des Auftrags auf 107 Stück gilt seit längerem als offenes Geheimnis. Damit sind die rund 560 Mitarbeiter im Simmeringer Werk die Sorgen um ihren Arbeitsplatz vorerst los. Kurz nach dem Verlust des Auftrags war spekuliert worden, dass die Produktion zur Gänze in die Schweiz verlagert werden könnte. Bis 2013 sei der Standort Wien allerdings gesichert, beruhigte Kampmann. Die Auftragslage sei gut, zudem lebe der Standort Wien nicht alleine vom Pandur-Panzer.

 

Werben um Österreichs Heer

In den vergangenen Jahren hatte der US-Konzern bei Aufträgen in Europa allerdings wiederholt den Kürzeren gezogen. Man habe in manchen Ländern „nicht mit gleichen Mitteln kämpfen wollen“ wie der Mitbewerb, führt Kampmann aus. Gemeint ist damit wohl der finnische Konkurrent Patria, der zumeist statt Steyr-SSF zum Zug gekommen war, und derzeit in einen veritablen Korruptionsskandal verwickelt ist. Dem teilstaatlichen Waffenproduzenten wird vorgeworfen, eine Ausschreibung der slowenischen Armee für 135 Radpanzer mittels Bestechung für sich entschieden zu haben. Inzwischen sitzen mehrere Patria-Mitarbeiter in Haft. Unter Verdacht stehen auch zwei Österreicher, der ehemalige Steyr-Mitarbeiter Hans Wolfgang Riedl, und Ex-Rennstallbesitzer Walter Wolf. Sie sollen Bestechungsgelder der Finnen in die richtigen Taschen umgeleitet haben. Für beide gilt die Unschuldsvermutung, Riedl vermutet gar, dass „jemand“ – der damalige Mitbieter – „das Geschäft nachträglich platzen lassen möchte“, wie er slowenischen Medien verriet.

Das wäre wiederum Steyr-SSF, die 2006 mit ihrem slowenischen Partner „Sistemska tehnika“ im Bietergefecht unterlegen waren. Kampmann weist derlei Anschuldigungen klar von sich. Man rechne gar nicht damit, dass Slowenien den Auftrag neu ausschreiben werde, da das Land so bis zu fünf Jahre Zeit verlieren würde. Slowenien sei auch „kein Markt, den wir aktiv bearbeiten“, erklärte er. Stattdessen habe man in Serbien, Mazedonien, der Slowakei und Ungarn den Fuß in der Tür. In all den Ländern stünden große Ausschreibungen bevor.

Auch das Österreichische Bundesheer will die Waffenproduzenten aus Simmering wieder als Kunden gewinnen. Fast 300 Panzer will sich das Heer zulegen, ein entsprechendes Angebot habe man bereits gelegt, hieß es bei Steyr. Man sei zuversichtlich, diesmal liefern zu dürfen. Immerhin würde das Gerät zu hundert Prozent im Land produziert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.09.2008)