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Großbritannien: Überraschende Urteile gegen „Flüssigbomber“

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Geschworene sehen keine Beweise für Anschlagspläne mit Flüssig-Bomben gegen Flugzeuge im Jahr 2006.

LONDON (dpa). Selten hatte ein Terror-Alarm nervigere Folgen: Im August 2006 wurde in London eine angebliche Terrorzelle ausgehoben. Ihre Mitglieder sollen geplant haben, flüssige Bomben zu bauen und in sieben Flugzeugen explodieren zu lassen. Seither darf Flüssiges nur in kleiner Menge und Plastikbeuteln als Handgepäck mitgenommen werden – und wohl kein Passagier musste bisher nicht eine irrtümlich mitgeführte Flasche Whiskey oder Franzbranntwein bei der Personenkontrolle opfern.

Im Prozess gegen die acht Männer gab es in der Nacht auf Dienstag eine üble Überraschung für die Ermittler: Die Geschworenen sahen es für nicht erwiesen, dass die Moslems konkrete Pläne gegen Flieger geschmiedet gehabt hätten. Drei Angeklagte wurden nur einer „allgemeinen“ Mordverschwörung für schuldig befunden, die weit von der Ausführung entfernt war. Bei vieren konnte sich die Jury auf kein Urteil einigen, einer wurde freigesprochen.

 

Moslemische Bombenbastler

Als Drahtzieher gilt der Abdullah Ahmed Ali (27), der seit langem beobachtet worden war. Als er Juni 2006 aus Pakistan einreiste, filzte die britische Polizei heimlich sein Gepäck und fand „verdächtige“ Flüssigkeiten. Auch entdeckte man, dass er mit Freunden in London an Bomben baute und sich über Flüge in die USA informierte. Im August schlugen die Ermittler zu – angeblich, um ein Attentat zu verhindern. Das dürfte zu früh erfolgt sein: Fertige Bomben fand man nicht, Flüge waren nicht gebucht. Videos, auf denen die Männer von „Tod aus dem Himmel“ faselten, überzeugten die Jury nicht. Die acht behaupteten, nur vage Pläne über Protestaktionen gegen die britische Politik gewälzt zu haben.

 

Bush schuld an Frühschuss?

An dem Frühschuss könnte ironischerweise US-Präsident George W. Bush schuld sein: Laut Michael Clarke, dem Direktor des Sicherheits-Thinktanks „Royal United Services Institute“ in London, soll er die Briten zu einem raschen Zugriff gedrängt haben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.09.2008)