DiePresse.com-Chat: Josef Cap im Porträt

Josef Cap
Josef CapREUTERS (Heinz-Peter Bader)
  • Drucken

Seit 1983 sitzt Josef Cap nun schon für die Sozialdemokraten im Parlament. Zu Beginn seiner politischen Karriere galt er noch als Rebell im System der SPÖ – dieses Image hat Josef Cap schon lange verloren. Am 15. September ist Josef Cap zu Gast im DiePresse.com-Chat.

"Pepi, kaunst du di heut no in spiagl schaun? Dein gsicht host du längst schon verlorn, wos bliebn is kaunst a boid in kübl haun. Pepi, wos is aus dir wordn?"

Das sangen die österreichischen Musiker Sigi Maron und Fritz Nussböck einst über Josef Cap - er dürfte sich wohl nicht darüber gefreut haben. Cap eckte in seiner politischen Karriere übermäßig oft an - in seiner Partei, bei politischen Gegner, aber auch bei Freunden und Gönnern.

Josef Cap kommt im Jänner 1952 in Wien zur Welt. Seine Familie ist gut bürgerlich und bei den Wahlen stimmen die Caps für die ÖVP. Der junge Pepi besucht von der Volksschule an das humanistische Piaristengymnasium in Wien, von dem er heute noch in den höchsten Tönen spricht. Nach der Matura beginnt Cap Politikwissenschaften und Pädagogik zu studieren. Er ist fasziniert von der aufstrebenden Politikergestalt Bruno Kreisky und schließt sich der SPÖ an. Ab 1978 leitet Cap als Obmann die Sozialistische Jugend und macht sich parteiintern schnell einen Namen. Cap gilt als perfekter Rhetoriker, der weiß, wie er seine Redekunst einsetzen muss.

Aufbrausender Rhetoriker

Doch Cap ist neben seinen rhetorischen Fähigkeiten auch für seine aufbrausende Art berühmt. Auf einem Bundesparteitag 1982 im Burgenland verbaut sich Cap mit diesen Eigenschaft und drei Fragen vorerst selbst seine politische Karriere. Auf dem Parteitag fragt er den burgenländischen SPÖ-Parteivorsitzenden, Theodor Kery, ob dieser über ein höheres Einkommen verfüge als Bundeskanzler Kreisky; ob er verbilligten Strom beziehe und schließlich ob Schusswaffen seine Leidenschaften seien. Nach anfänglicher Aufregung verweigert Kery die Antwort. Später muss er alle Fragen bejahen - Cap gilt von da an als Störenfried und fliegt kurz darauf aus dem SPÖ-Parteivorstand.

Bei der nächsten Nationalratswahl 1983 wird Cap auf Platz 47 der Wiener Landesliste gereiht - die SPÖ möchte ihn im Grunde nicht im Nationalrat sehen. Doch Cap betreibt bei dieser Wahl einen beispiellosen Wahlkampf und zieht mit 62.000 Vorzugsstimmen überlegen in den Nationalrat ein.

Im Parlament hält Cap sich anfangs zurück. Erst 1986 fällt er als Leiter der SPÖ-Bildungseinrichtung wieder auf. Im Dezember 1988 ernennt ihn der damalige SPÖ-Bundeskanzler Franz Vranitzky zum Zentralsekretär der SPÖ-Geschäftsführung. In dieser Funktion stützt er hauptsächlich die pragmatische Politik seines Chefs Vranitzky - die linke Parteibasis hält ihm vor, dass er seine Ideale verraten habe. Sein Revoluzzer-Image ist Cap los und sein ehemaliger Unterstützer Sigi Maron singt: "Wos homma uns vor dir ois erhofft: aufmucken und rebelliern. So schnöll wia di homs a no kan gschofft, sichstas so kann ma se irrn."

Cap kümmert das wenig. Auf der SPÖ-Karriereleiter klettert er immer höher nach oben. Nach der Machtübernahme in der SPÖ durch Caps Jugendfreund, Alfred Gusenbauer, wird Cap zum neuen Klubobmann der SPÖ. Mit der schwarz-blauen Regierung unter Bundeskanzler Schüssel hat Cap auch ein neues Feindbild gefunden. Er schreibt ein Buch über die schwarz-blauen Jahren und nennt es „Kamele können nicht fliegen. Von den Grenzen politischer Inszenierung". Seit 1983 sitzt Cap nun schon durchgehend im Parlament. Im Vergleich zum Jahr 1983 dürfte ihm der Einzug in den Nationalrat bei dieser Wahl aber nicht schwer fallen. Auf der SPÖ-Bundesliste ist er auf Platz fünf gereiht: Ein sicherer Platz - auch ohne Vorzugsstimmen.

(bab)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.