Wahlkampfauftakt: Grüne wollen Dritte bleiben und kritisieren „Krone“-Berichte über den „Erlöser Faymann“.
Wien. Die Basis wartete aufgeregt auf den Einzug von Parteichef Alexander Van der Bellen und der grünen Parteispitze – und dann das: Beim Eingangstor zum Wiener Museumsquartier drängelte sich am Mittwoch ausgerechnet ein Lkw vor. Die Vertreter der Öko-Partei mussten ihn erst passieren lassen, bevor sie einziehen konnten.
Nicht den Vortritt überlassen wollen die Grünen am Wahlsonntag der FPÖ. Es gilt, Platz drei zu verteidigen. Nach dem Ständchen der Musikkapelle schlug deswegen auch die Wiener Grünen-Chefin Maria Vassilakou hohe Töne an. Noch nie habe sie „so eine aufgeschlossene Stimmung“ in der Bevölkerung gegenüber den Grünen gespürt, erklärte sie. Die eher stagnierenden Umfragewerte wurden lieber verschwiegen.
An Grünen-Vize Eva Glawischnig lag es dann, die Versäumnisse der rot-schwarzen Politik anzuprangern. Es folgte braver Applaus der rund 200 Leute starken grünen Gefolgschaft. Dann der Höhepunkt – die Rede Van der Bellens. Und der für seinen Unterhaltungswert ansonsten nicht zwingend berühmte Parteichef hatte einige Pointen im Gepäck. „Es ist sehr wichtig, wer Dritter wird“, erklärte er. Denn wenn Platz drei an die FPÖ gehe, dann werde statt Glawischnig „irgendein Burschenschafter, der im Parlament die Sonnwendfeier begeht“ Dritter Nationalratspräsident. Scharfe Kritik gab es auch an der „Kronen Zeitung“: Diese sei zwar in der Vergangenheit bei Naturschutzthemen auf der richtigen Seite gewesen, nämlich „auf unserer“. Jetzt aber „rastet sie aus“, so Van der Bellen. Er faltete die Hände, hob sie anschließend gen Himmel und schilderte die „Krone“-Berichterstattung: „Der Erlöser ist herabgestiegen, und er heißt Werner Faymann.“
Wahlziel: 15 statt 17 Prozent
Auffällig war, dass Van der Bellen in seiner Rede als Wahlziel der Grünen 15 statt wie zuletzt 17 Prozent nannte. Als Herabsetzung des Wahlzieles wollte der Parteichef das aber dann lieber doch nicht verstanden wissen. Es gehe schlicht darum, „dass wir zulegen“, so Van der Bellen nach seiner Rede zur „Presse“.
Der Optimismus wird also hochgehalten: „Wir schaffen das bis zum 28. September“, appellierte Van der Bellen auch am Ende seiner Rede – und prostete der Gefolgschaft mit einem Wasserglas zu.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.09.2008)