Platane-Wurzeln entscheiden über Lueger-Garage

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Ob der Baum durch die Garage zerstört würde, sollen nun Grabungen klären.

WieN. Drei ältere Herren haben sich vor der Schwüle unter die dicken Äste der Platane geflüchtet. Von der Parkbank aus beobachten sie die Bauarbeiten, die da gerade rund um das Denkmal von Karl Lueger am gleichnamigen Platz stattfinden. Ihre gelangweilten Blicke suggerieren: Eine Baustelle halt.

Keine gewöhnliche. Denn hier graben sich vier Arbeiter entlang von mehreren schmalen Streifen rund um das Denkmal durch Kies und Erde in die Tiefe. 1,2 Meter, vielleicht mehr. Händisch, ohne Bagger, mit dem nur die Betonschicht abgetragen wurde. Die Mission: herauszufinden, wie weit die Wurzeln der riesigen Platane – die hier zwar noch nicht, wie immer behauptet wird, seit 100, aber immerhin seit 80 Jahren steht – reichen. Denn gehen die Wurzeln sehr tief, wäre die Platane vom geplanten Bau einer Garage unter dem Platz gefährdet.

Die Platane ist nämlich keine unbekannte: Vielmehr ist sie der Grund, warum besagtes Garagenprojekt seit gut drei Jahren nicht über den Status „Zukunftsmusik“ hinauskommt. Die sehr engagierte „Bürgerinitiative Luegerplatz“ kämpft dagegen an. Um den Baum, der 1994 von Bürgermeister Michael Häupl zum „Naturdenkmal Nr. 756“ ernannt wurde, zu retten, der, davon ist die Bürgerinitiative (BI) überzeugt, beim Garagenbau zerstört würde.

„CTF“, Projektbetreiber der Garage, sieht das anders. Die „Schürfe“ (wie die Wurzelprüfung heißt), auf Wunsch des Bezirks und der BI durchgeführt, soll nun endgültig klären, ob die Platane durch den Bau beeinträchtigt würde. Sollte das der Fall sein, wird das Garagenprojekt endgültig aufgegeben, sagt Projektbetreiber Wolfgang Reichl.

Kommen die Gutachter zu dem Ergebnis, dass die Tiefgarage (mit 250 bis 300 Plätzen) kein Problem für den Baum darstellt, bedeutet das aber nicht automatisch ein „Go“ für den Bau. Vielmehr wird es, wie es aus dem Büro der Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel heißt, im Herbst drei Infoabende geben, bei denen die Bürger ihre Wünsche äußern können. Über das Projekt werden dann frühestens im Dezember die Bewohner rund um den Platz abstimmen.

Wie die Befragung ausgeht, ist völlig offen. Projektbetreiber Reichl geht von einem „Ja“ für den Bau aus. Dass er damit nicht ganz falsch liegt, räumt man – trotz Hunderter gesammelter Unterschriften gegen die Garage – sogar bei der Bürgerinitiative ein. Und hofft, dass das Projekt schon durch das Platanen-Gutachten gekippt wird.

Um den Stamm der Platane hängt jedenfalls, mit Bindfaden angebracht, ein Plakat („Hände weg vom Luegerplatz“) mit Hinweisen auf Aktionen der BI. Die trifft sich, nachdem es zuletzt ruhig um die Garage geworden ist, mittlerweile wieder wöchentlich.

Auf einen Blick

Die geplante Garage unter dem Dr.-Karl-Lueger-Platz wird seit Jahren von einer Bürgerinitiative bekämpft, die um die 80 Jahre alte Platane auf dem Platz fürchtet.
Der Projektbetreiber CTF lässt nun Grabungen durchführen, die klären sollen, ob die Wurzeln des Baums durch den Garagenbau zerstört würden. Sollte dies der Fall sein, wird das Projekt aufgegeben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.09.2008)

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