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Tirol: SPÖ-Kandidat im Rollstuhl will Geschichte schreiben

G�nther Porta sp� Behindertensprecher
(Andreas Fischer)
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Günter Porta möchte als Behindertensprecher ins Parlament.

Innsbruck. „Ich bin Sachpolitiker und weiß, wovon ich rede. Das kommt gut an!“ Günter Porta, SPÖ-Listenerster im Wahlkreis Innsbruck-Land und Schwaz, gibt sich im Gespräch mit der „Presse“ zuversichtlich. Er tritt am 28.September zum bereits dritten Mal für die Tiroler SPÖ bei Nationalratswahlen an. Heuer aber erstmals auf dem aussichtsreichen dritten Platz der Landesliste – als Nachfolger des Langzeitabgeordneten Erwin Niederwieser. „Weil aller guten Dinge drei sind“, will der Jurist Porta diesmal über ein Grundmandat in seinem Wahlkreis den Einzug ins Parlament schaffen.

Porta ist seit 2001 Behindertensprecher der Tiroler SPÖ. Diese Funktion will er auf Bundesebene ausüben. Er würde dadurch in die SPÖ-Geschichte eingehen: als erster SPÖ-Behindertensprecher im Parlament, der selbst Betroffener ist. Denn seit einem Autounfall vor 35 Jahren sitzt der ehrgeizige Telfer im Rollstuhl. Nachdem die Grünen und auch die ÖVP die Position des Behindertensprechers längst traditionell mit selbst Betroffenen besetzen, blieb die SPÖ diese Geste bisher schuldig.

Der 52-jährige Vater zweier fast erwachsener Töchter kann auf 23 Jahre Praxis in der Kommunalpolitik verweisen. Davon fungierte der gerichtlich vereidigte Sachverständige für behindertengerechte Baumaßnahmen 14 Jahre als Bauleiter in seiner Gemeinde. Immerhin sechs Jahre lang war Porta Amtsleiter im „tiefschwarzen Telfs“.

In Wien möchte er für Verbesserungen im Behindertengleichstellungsgesetz kämpfen, die Barrierefreiheit mittels strengerer Bauordnung verbessern und die Gemeinden stärken. Eine Sofortmaßnahme wäre für ihn die jährliche Valorisierung des Pflegegeldes.

Blinde Linientreue ist für den spätberufenen Sozialdemokraten, der erst 2001 der Partei beitrat, kein Thema. Offen prangert er Fehler der SPÖ, wie Gusenbauers Studiengebühren-Versprechen und den Eurofighter-Deal an. Er selbst würde Gebühren für Langzeitstudenten befürworten. Auch in Sachen Migrationspolitik vertritt Porta einen eher konservativen Kurs: „Man darf sicher nicht Ängste vor Ausländern schüren wie die FPÖ. Aber man muss alle Probleme offen ansprechen können.“

Bezüglich Koalitionen ist Porta pragmatischer als sein Parteichef: „Ich würde niemanden von vorneherein ausschließen. Auch nicht die FPÖ.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.09.2008)