Die Supernova auf Raten

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Eta Carinae, der größte Stern der Milchstraße, explodiert mehrmals.

Im Jahr 1843 n.Chr. hätte eigentlich die säkulare Welt untergehen sollen, zumindest hatte das der amerikanische Adventist William Miller angekündigt. Das geschah nicht, dafür stand im April ein heller Stern am Nachthimmel, der zweithellste nach dem Sirius: Eta Carinae, im Sternbild Carina („Kiel des Schiffs“).

7500 Lichtjahre von uns entfernt, gilt Eta Carinae als der schwerste und lichtstärkste Stern der Milchstraße; zu seinen Anfängen war er 150 Mal so schwer wie die Sonne, heute hat er nur mehr 90 bis 100 Sonnenmassen. Er verändert seine Helligkeit, ohne auffallende Regelmäßigkeit. 1677 wurde er von Edmond Halley erstmals katalogisiert, ab 1730 beobachteten Sternseher, dass er heller wurde, dann wurde er schwächer, ab 1820 wieder heller. 1843 war ein Maximum, dann verblich er wieder, war in den ersten Jahrzehnten des 20.Jahrhunderts fürs freie Auge unsichtbar. 1998/99 verdoppelte er seine Helligkeit. Heute sieht man ihn ohne Fernrohr.

In seiner hellsten Phase um 1843 war er so lichtstark wie eine Supernova. Aber es war offensichtlich kein vollständiger Ausbruch, keine „echte“ Supernova, denn es gibt den Stern noch. Von einer Supernova bleibt für gewöhnlich nur ein Neutronenstern oder ein Schwarzes Loch, je nach Masse. Einen „supernova imposter“ nennen die Astronomen das: einen Stern, der sich fälschlicherweise als Supernova ausgibt.

„Bisher unbekannter Mechanismus“

War es gar kein Ausbruch? Nur ein heftigerer Sternwind? Damals, um 1843, spie Eta Carinae eine riesige Wolke aus Gas und Staub aus, den Homunculus-Nebel: Dessen Bewegung konnte gerade noch als Sternwind erklärt werden, als kontinuierlicher Materiestrom, der von der Oberfläche des Sterns ausgeht.

Doch nun hat Nathan Smith (Berkeley) eine Druckwelle beobachtet, die von der Eruption 1843 stammt, mit Geschwindigkeiten bis zu 6000 Kilometer pro Sekunde (Nature, 455, S.201). Das heißt: Es war doch eine Explosion. Und zwar, so Smith, „eine, die tief im Inneren des Sterns begann und seine äußeren Schichten wegsprengte. Es muss ein bisher unbekannter Mechanismus sein, der das auslöst.“ Dabei soll Eta Carinae fast ein Zehntel seiner Masse verloren haben.

Man kennt ähnliche Phänomene aus anderen Galaxien. „Wir wissen nicht, was das ist“, sagt Smith: „Es ist mysteriös, was einen Stern so stark aufleuchten lassen kann, ohne ihn völlig zu zerstören.“ Vielleicht streift ein so riesiger Stern in mehreren Explosionen seine äußeren Wasserstoff-Schichten ab, bevor er ganz zugrunde geht, nach einer, astronomisch gesehen, kurzen Existenz von wenigen Millionen Jahren (je schwerer ein Stern, desto kürzer lebt er; der Sonne sind insgesamt über zehn Milliarden Jahre beschieden). Dann wird er ein Schwarzes Loch.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.09.2008)

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