Wo bleibt meine Cabrio-Beihilfe?

Was ist schlimmer? Plumpe Verschwendung oder traditionelle Verstaatlichung?

Für einen Schreiber in einem bürgerlichen Blatt ist die Frage wahrscheinlich fast so peinlich wie für seine seriösesten Leser. Was treiben in diesem Wahlkampf eigentlich die Kommunisten? In Deutschland hat sich die PDS den Kreuz- und Querdenker Lafontaine gekauft, und allein der ist zu abschreckend, um weiter auf ihn einzugehen. Der spaltet nicht nur die SPD, sondern auch die Linke und dann erneut die SPD. Wie aber heißt der ZK-Chef der KPÖ bei uns? Gibt es die überhaupt noch? Und ist sie noch im Ölgeschäft?

Ich komme auf dieses entlegene Thema, weil ich in meinem Umfeld, das sich nicht nur auf Meidling und Erdberg, sondern zuweilen auch auf Graz erstreckt, immer wieder sympathische Sozialaufsteiger treffe, die erstaunlich flexibel sind. Auf mein Gejammere, heutzutage seien in Wien die Hortbeiträge für verwöhnte Kinder so luxuriös teuer wie ein Sixpack arktischer Wachteleier, deshalb wisse ich inzwischen schon wieder nicht, wem ich am 28.9. meine Stimme gebe, antworten diese ausgeglichenen, pragmatisierten Mittelständler: „Diesmal wähle ich aber wirklich die Kommunisten!“ Warum? „So halt!“

Das ist tatsächlich ein schlagendes Argument, das man 19 Jahre nach der großen Befreiungsparty in Europa gar nicht mehr untermauern muss. Wer die Wahlversprechen Faymanns, Straches, Molterers und Van der Bellens ernst nimmt, der braucht sich vor der roten Katze nicht zu fürchten. Denn im Vergleich zu den avisierten Milliardengeschenken der etablierten Parteien, die einen umverteilungsunwilligen Elchmilchkäse-Konsumenten wie mich in seiner zarten Feuilletonistenseele erschrecken, ist jede Art von traditioneller Verstaatlichung ein harmloses Planspiel.

Vielleicht haben meine Freunde recht, die sich bis Ende September in ihrer Villa bei San Remo verschanzen werden. Im Gegensatz zur großen Verschwender-Koalition würde die KPÖ für die expropriierten Betriebe wenigstens die Verantwortung übernehmen, behaupten sie und machen nostalgisch noch eine Flasche Margaux aus dem Ab-Hof-Verkauf auf.

Was tun? Ich mahne meine Freunde: Die KPÖ kann man allein schon deshalb nicht wählen, weil schon vor Jahren einer ihrer Stadträte, dessen Name Kaltenegger mir schon damals entfallen ist, damit begonnen hat, Bittstellern Banknoten zuzustecken wie einer abgebrannten Tanzkapelle. Das hat er sich wahrscheinlich von Kärntens Tribun Haider abgeschaut. Zuvor war die Unsitte, dem Prekariat Hunderter auf die Stirn zu picken, nur unter Besoffenen in Etablissements mit zweifelhaftem Ruf üblich.

Ich zögere also weiter, an wen ich meine Stimme verschwenden will. Gibt es eine Partei mit Utopien, die alle Steuern auf rote Lamborghinis tilgt? Eine Cabrio-Beihilfe einführt? Und sozial ausgeglichen begründet?

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.09.2008)

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