USA: Insolvenz von Lehman Bros. erschüttert Finanzmarkt

Die Liquidität der Primärhändler und der Finanzmärkte soll allgemein verbessert werden.
Die Liquidität der Primärhändler und der Finanzmärkte soll allgemein verbessert werden.(c) EPA (Chip East)
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Die US-Bank Lehman beantragt Gläubigerschutz, die US-Regierung will nicht einspringen. Ein 70 Mrd. Dollar-Fonds soll weitere Katastrophen verhindern.

Die Krise im US-Finanzsektor hat sich weiter verschärft. Die schwer angeschlagene US-Investmentbank Lehman Brothers ist insolvent, die britische Bank Barclays war als möglicher Käufer abgesprungen. Nach dem Scheitern von Rettungsversuchen teilte Lehman Brothers in der Nacht auf Montag mit, dass es Gläubigerschutz nach Kapitel 11 des US-Konkursrechts beantrage. Diese Regelung erlaubt Unternehmen die Sanierung bei laufendem Betrieb, ohne Gläubiger bedienen zu müssen.

613 Milliarden Schulden

Das Insolvenzgericht beziffert den Schuldenberg von Lehman Brothers mit 613 Milliarden Dollar (rund 440 Milliarden Euro). Zum Vergleich: Das Bruttoinlandsprodukt von Österreich betrug im Jahr 2007 nur 286 Milliarden Euro.

Experten erwarten weitere massive Turbulenzen im US-Finanzsektor. Die US-Regierung schloss die zuvor in anderen Fällen geleisteten Staatshilfen im Falle Lehman Bros. bis zuletzt aus.

Finanzaufsicht stoppt Geschäfte

Die deutsche Finanzaufsicht hat weitere Geschäfte der Lehman Brothers Bankhaus AG blockiert. Gegenüber der Bank sei ein Veräußerungs- und Zahlungsverbot erlassen worden, teilte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) am Montag in Bonn mit. Außerdem sei der Bank untersagt worden, Zahlungen entgegen zu nehmen, die nicht zur Tilgung von Schulden ihr gegenüber bestimmt seien. Dieses Moratorium habe angeordnet werden müssen, um die verbliebenen Vermögenswerte zu sichern.

Die Lehman Brothers Bankhaus AG mit Sitz in Frankfurt am Main, die zum gleichnamigen Lehman-Brothers-Konzern gehört, hat Zweigniederlassungen in London, Mailand und Seoul. Das Institut weise gegenüber institutionellen Kunden Verbindlichkeiten in Höhe von rund 14,3 Mrd. Euro aus. In Österreich hat Lehman Brothers keinen Sitz.

Bank of America übernimmt Merrill Lynch

Die als zweiter interessiertester Käufer geltende Bank of America übernimmt die Investmentbank Merrill Lynch. Die Übernahme habe einen Wert von 50 Milliarden Dollar, der in Aktien gezahlt werden solle, teilte die Bank of America mit. Die Transaktion solle im ersten Quartal 2009 abgeschlossen werden.

Merrill Lynch war zuletzt wegen Milliardenverlusten und einem dramatischen Kursverfall immer stärker unter Druck geraten. Die Übernahme durch die Bank of America sei in fieberhaften Verhandlungen binnen 48 Stunden ausgehandelt worden.

Ein Gewährsmann sagte am Sonntag in New York, die US-Notenbank Fed und das US-Finanzministerium hätten die Bank of America zur Übernahme von Merrill Lynch gedrängt. Erst vor sechs Monaten hatte die Investmentbank Bear Stearns wegen der Kreditkrise ihrem Zwangsverkauf an den Finanzkonzern J.P. Morgan Chase zustimmen müssen.

Initiativen zur Unterstützung der Finanzmärkte


Noch vor dem Zusammenbruch von Lehman Brothers kündigte die US-Notenbank eine Reihe von Initiativen zur Unterstützung der Finanzmärkte an. Damit solle die Liquidität der Primärhändler und der Finanzmärkte allgemein verbessert werden, erklärte Fed-Chef Ben Bernanke am Sonntagabend (Ortszeit). Unter anderem will die Fed zusätzliche Arten von Sicherheiten als Gegenleistung für Geld der Notenbank akzeptieren.

Hilfsfonds für angeschlagene Kreditinstitute


Zehn internationale Banken gaben am Sonntagabend die Gründung eines mit 70 Mrd. US-Dollar (49,8 Mrd. Euro) dotierten Hilfsfonds für angeschlagene Kreditinstitute bekannt. Unter anderem solle für einen geordneten Ablauf im Zusammenhang mit den Problemen der angeschlagenen Lehman Brothers gesorgt werden. Bei den zehn Instituten handelte es sich um Bank of America, Deutsche Bank, Credit Suisse, UBS, Barclays, Morgan Stanley, Citibank, Goldman Sachs, JPMorgan und Merrill Lynch.

(Ag. )

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