Ein Manager, der Wiens Musikleben prägt

Roland Geyer
Roland Geyer (c) Theater a.Wien (Priska Ketterer)
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Austria'08-Kandidat. Roland Geyer als Intendant im Theater an der Wien auf Erfolgskurs.

Roland Geyer ist der Manager, der von der Stadt Wien beauftragt wurde, nach einer langen Ära des Musicals das Theater an der Wien seiner ursprünglichen Bestimmung zuzuführen. Jetzt ist die Uraufführungsstätte von Beethovens „Fidelio“ wieder ein Opernhaus – und ein erfolgreiches dazu, denn das Premierenangebot für Wiener Musikfreunde und internationale Gäste hat sich mit Aufnahme des Spielbetriebs vervielfacht. Im Schnitt einmal pro Monat bietet das Theater an der Wien eine Neuinszenierung, dazwischen Konzerte und Sonderveranstaltungen mit einer Spannweite vom bisher in Wien sträflich vernachlässigten Barock bis zur Moderne.

Wirtschaft, Sport, Kultur

Ein erfolgreicher Manager also, der als Kandidat in der Kategorie Kulturmanagement bei der Wahl der Österreicher des Jahres nominiert ist (siehe Kupon unten). Außerdem ist er Wirtschaftsmathematiker (Diplomingenieur), was ihn in seinen Zwanzigern zum Mitarbeiter einer Computerfirma werden ließ, wo er Software-Design und Organisationsanalyse betrieb. Für die Verwaltung eines hochkomplexen Theaterbetriebs hat ihm diese Vorbildung gewiss nicht geschadet.

Darüber hinaus hat Roland Geyer, 55, aber auch Sportwissenschaften studiert. Mit 29 wurde er zum Leiter des städtischen Kultur- und Sportwesens von Amstetten – die nicht alltägliche Kombination von Interessensgebieten kommt dem Wiener freilich bis heute zugute. Als Absolvent des Lehrgangs für Kulturelles Management an der Wiener Musik-Universität wechselte er in die Führungsetage der „Musikalischen Jugend“. In seiner Aufgabe als Jeunesse-Chef profilierte er sich nicht zuletzt durch die Veranstaltung von spannend programmierten Festivals. Roland Geyer wurde als origineller Querdenker zu einem der prägenden Köpfe des Wiener Musiklebens.

Die Stadt Wien machte ihn alsbald zum Leiter ihres Sommerfestivals „KlangBogen“, dem sich unter Geyers Ägide ein luxuriöses Oster-Festival an die Seite gesellte, womit eine zuvor „tote Saison“ in der Musikstadt plötzlich zu wohlklingendem Leben erwachte.

Mit der Führung des Opernhauses an der Wien zeichnet er als Manager nun verantwortlich für ein Jahresprogramm von eminenter internationaler Ausstrahlung. Die allseits gerühmte Qualität der Premieren der vergangenen Spielzeit ließ die Abonnementzahlen im Theater an der Wien in die Höhe schnellen. Die Rechnung der Rückwidmung des Hauses ist offenkundig aufgegangen.

Wobei die Persönlichkeitsstruktur Geyers es nicht zulässt, Erfolge zur Gänze aufs eigene Konto zu buchen: „Erfolg im Theater ist niemals ursächlich durchs Management entstanden. Das ist meine Überzeugung. Der Manager hat die Basis zu schaffen, auf der die Künstler ihre optimalen Leistungen erbringen können.“ Die Künstler und das gesamte Personal, das hinter den Kulissen arbeitet. Geyer vergisst bei Premierenfeiern niemals, auch darauf hinzuweisen.Wobei er sich im Klaren darüber ist, dass es „die perfekte Opernaufführung nicht gibt“. Dazu sei das Genre „viel zu komplex. In der Mathematik kann ich davon ausgehen, dass – wie immer die neuen Cern-Experimente ausgehen mögen –, zwei und zwei vier bleiben wird. In der Kunst kann ich selbst einen rauschenden Erfolg zum Anlass nehmen, über Verbesserungsmöglichkeiten nachzudenken. Niemals stehen bleiben!“

Auch schwierige Wege gehen

Da kommt der geborene Steinbock – und sein Sportsgeist – durch: „Ich bin wie das Tier in meinem Sternbild: Es springt von Fels zu Fels und überwindet auch schwierigste Hindernisse. Ich stecke mir klare Ziele. Und ich bin es gewohnt, auch schwierige Wege zu gehen, Hindernisse zu überspringen.“ Im Übrigen sei das Spannende an seiner Arbeit die Vielseitigkeit: „Musik, bildende Kunst, Historie vereinen sich hier, einmal ist es die Dirigenten-Leistung, die restlos begeistert, einmal die Regie, dann wieder die Sänger . . .“

„Begeistern, faszinieren, auch schockieren soll die Kunst. Ich sehe mich als Kunst-, nicht als Kulturmanager“, präzisiert Geyer sein Amt: „und das Kunstwerk, das es auf der Bühne zu realisieren gilt, ist ein Phänomen.“ Dieses zu bewahren, sei eigentlicher Sinn jeder Produktion.

AUF EINEN BLICK

Roland Geyer (*1952, Wien) studierte Wirtschaftsmathematik an der TU Wien, Sportwissenschaften an der Uni, Kulturmanagement an der Musikhochschule. Ab 1977 war er fünf Jahre in der EDV-Branche tätig, schrieb vier Bücher, in der Freizeit organisierte er Sport- und Kulturprojekte. 1983 gründete er die Amstettener Sommerfestspiele, von 1987–1996 war er Geschäftsführer der Jeunesse Musicale, dann übernahm er die Leitung des Wiener KlangBogens und des Osterklang-Festivals. Seit 2007 ist er Intendant im Theater an der Wien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.09.2008)

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