Relaunch: Rund 100 cm² weniger „Falter“

(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)
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Die Wiener Stadtzeitung ist ab Mittwoch kaum wiederzuerkennen. Chefredakteur Armin Thurnher will damit neue Leserschichten gewinnen, alte nicht verschrecken.

Gestutzt und geheftet haben sie den „Falter“. „Der erste Schock währt nur sehr kurz“, berichtet Armin Thurnher, Chefredakteur der Wiener Stadtzeitung, von seinen Erfahrungen mit ersten Testlesern. Der Mitbegründer der Wochenzeitung anno 1977 hat seine „Wohnzimmertheorie“ zum Relaunch: Entweder stellt man die Einrichtung nur zentimeterweise um. Oder man holt die Möbelpacker. In diesem Fall: einen Möbelpacker aus Hamburg. Zeitungsdesigner Dirk Merbach kam von der renommierten „Zeit“, um den Falter neu zu gestalten – ein „gewisses Investment“, wie Thurnher zugibt.

Zum Teil belaufen sich die Änderungen dann aber doch nur auf Zentimeter: Beim Format hat man einen in der Länge, zweieinhalb in der Breite eingespart. Dabei ist der Satzspiegel (der Bereich der Zeitung, der bedruckt wird) gleich groß geblieben – das bedeutet: gleich viel Text auf weniger Platz. „Neue Schichten gewinnen, ohne die alten zu verschrecken“, sei das Motto für den Relaunch gewesen, so Thurnher. Allerdings ist der neue „Falter“ kleinteiliger, weniger reduziert, weniger unaufgeregt als der alte. „Verdichtung“ nennt es Merbach, ein „Bekenntnis zum Text“.

Mit dem Layout hat man auch an Inhalt und Struktur Änderungen vorgenommen: Das – laut einer Leserbefragung äußerst beliebte – „Falter“-Programm heißt nun „Falter-Woche“, dort werden künftig neben dem bloßen Veranstaltungskalender Kurzrezensionen und Empfehlungen stehen. Der Steiermark-„Falter“ (bisher als Extra-Heft) wird als eigenes Ressort in die Zeitung integriert. Die Rubriken „Medien“ und „Stadtleben“ (Kreativwirtschaft, Kulinarik) werden betont; eine Sportseite kommt dazu.

Der „Falter“ ist nun durchgängig farbig, was ihn veranlasste, die Druckerei zu wechseln. Ein Farbleitsystem kennzeichnet die Ressorts (rot für „Politik“, grün für „Steiermark“). Der neue „Falter“-Schriftzug scheint keck aus der Zeile zu kippen. Als Logo dient ein von Lisa Elena Hampel entworfener dunkelblauer „Adler mit Schmetterlingsschwinge“ – in Anlehnung an Thurnhers hehres Vorbild: „die angelsächsischen Qualitätszeitungen“, nur mit ein bisserl wienerischer Selbstironie, heißt es.

Von den Angelsachsen hat man sich auch die bereits bestehenden Kommentarseiten vorne im „Falter“ abgeschaut, so Thurnher. Ergänzt werden sie durch Autoren-Karikaturen (statt Autorenfotos). Blättert man von hinten los, kommt einem dort das Inhaltsverzeichnis entgegen, auch eine Spiel- und eine „Spaßseite“ inklusive der Kolumnen u. a. von Doris Knecht, Andrea Maria Dusl, Hermes Phettberg. Der Relaunch der Homepage soll Anfang 2009 folgen.

(c) Falter

Gusenbauer-Buch keine „Offenbarung“

Thurnher hat 2007 – mit Ex-SPÖ-Sprecherin Katharina Krawagna-Pfeifer – ein Interviewbuch mit Bundeskanzler Alfred Gusenbauer veröffentlicht. Ist also ein ähnlich umfassendes Faymann-Gespräch geplant?, fragte ihn die „Presse“ mit einem Augenzwinkern. „Es gibt noch keinen Verlag, der gefragt hat. Beim Schüssel hat auch keiner gefragt“, antwortet er. Thurnher ist unklar, warum eine solche Veröffentlichung als „Offenbarung von Parteilichkeit“ gewertet werde. Ressentiments dagegen verstehe er, billige er aber nicht. Für ihn ist dies eine in der Demokratie nötige Auseinandersetzung mit Politik.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.09.2008)

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