Matznetter könnte bald Geschichte sein, Riess-Passer hat keine Lust auf Politik.
Sie sind einander nicht besonders grün: Finanzstaatssekretär Christoph Matznetter wird wohl einer neuen SPÖ-Regierung unter Werner Faymann nicht mehr angehören. Erstens zählte Matznetter zum Ancien Régime von Alfred Gusenbauer, mit dem Faymann eher abschließen möchte. Und außerdem schafft es Matznetter gelegentlich, das sonst eher ruhig fließende Blut Faymanns mit nicht immer wohlüberlegten Vorschlägen in Wallung zu versetzen. Matznetter kann sich auch in der SPÖ Wien auf keine wirkliche Hausmacht verlassen. Der ehemalige Steuerberater hat aber einen sicheren Platz auf der Bundesliste und ist SPÖ-Parteikassier. Unter Gusenbauer sanierte er die Finanzen der Partei so überraschend schnell, dass die ÖVP damals argwöhnte, hier könne nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein.
Umgekehrt hat die SPÖ aber auch keine wirklich großen Personalreserven im Finanzbereich (abgesehen von den „alten Hasen“ Ferdinand Lacina und Hannes Androsch, die trotz früherer Kritik jetzt wieder fleißig für die SPÖ werben). Im Finanzministerium gilt Sektionschef Gerhard Steger als roter Verbindungsmann. Aber man erwartet nicht, dass er in die aktive Politik wechselt.
In der ÖVP erwägt Wilhelm Molterer noch eine personelle Überraschung vor der Nationalratswahl. Die Bundesliste kam ohne Quereinsteiger aus, aber es könnte ja noch ein (parteifreier) Ministerkandidat präsentiert werden. Karl-Heinz Grasser hat sich durch die Meinl-Affäre selbst beschädigt. Und was ist mit Wüstenrot-Chefin Susanne Riess-Passer?Jörg Haider scheint sie schon einen Korb gegeben zu haben, und im „Presse“-Gespräch winkt sie auch in Richtung ÖVP ab. An eine Rückkehr in die Politik denke sie nicht. Auffällig ist trotzdem, dass sie bei etlichen ÖVP-Veranstaltungen anzutreffen ist. Aber die Politik scheint nicht besonders anziehend zu sein, wenn man anderswo erfolgreich ist. Molterer hat sich offenbar zu Beginn des Wahlkampfes vergeblich um Caritas-Präsident Franz Küberl bemüht, sogar der Name des Schwimmers Markus Rogan war gefallen.
Möglich ist, dass Claus Raidl – spät aber doch – noch Appetit auf Politik bekommt. Doch der langjährige Böhler-Uddeholm-Chef, der immer wieder als schwarzer Finanzminister gehandelt wurde, lebt als Manager deutlich ruhiger und besser bezahlt. Als heimliche Personalreserve und möglicher Umweltminister galt Ex-Schönbrunn-Direktor Helmut Pechlaner. Er ist in Molterers Wahlkomitee engagiert. Aber ob er aus der Pension zurückkehrt? Vor zwei Jahren als Gesundheitsministerin im Gespräch war die TV-Talkerin und ausgebildete Medizinerin Vera Russwurm. Denn eines ist sicher: Andrea Kdolsky ist nicht mehr an Bord.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.09.2008)