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Rot und Blau: Künftige Koalitionäre sehen anders aus

FAYMANN/STRACHE
APA (Georg Hochmuth)
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TV-Duell. Harte Bandagen zwischen Faymann und Strache. Besonders in der Ausländerpolitik flogen die Fetzen.

WIEN (mon). Deutlich angespannt wirkten Werner Faymann und Heinz-Christian Strache zu Beginn der ORF-Konfrontation. Später flogen kräftig die Fetzen, besonders in der Ausländerpolitik. Hier fanden die beiden, die im Parlament derzeit auf Kuschelkurs sind, keinerlei Gemeinsamkeiten. Strache war aggressiver, Faymann hingegen zeigte sich nahezu angeekelt von den „Gehässigkeiten auf der Straße" im freiheitlichen Wahlkampf. Streckenweise hatte Moderatorin Ingrid Thurnher Mühe, die Auseinandersetzung in sachliche Bahnen zu lenken.

Faymann: „Land nicht teilen"

Faymann zitierte Straches Aussagen im Wahlkampf: „Willst du eine Wohnung haben, musst du ein Kopftuch tragen" - gemünzt auf den Wiener Gemeindebau. Das stimme einfach nicht, so der ehemalige Wohnbaustadtrat kämpferisch. Pro Jahr bekämen 9300 Österreicher, aber nur 700 Ausländer eine Gemeindewohnung. Faymanns Credo: „Ich will das Land nicht teilen, ich will es nicht in Inländer und Ausländer teilen." Wenn sich die SPÖ einen Vorwurf machen könne, dann den, den Unwahrheiten und Kränkungen der Freiheitlichen nicht immer schnell genug entgegengetreten zu sein. Wien habe es geschafft, Ghettobildung zu vermeiden. Ihm gehe es um Integration. Damit sei Faymann aber offenbar gescheitert, entgegnete der blaue Frontmann, sonst müsste er nicht auf türkisch inserieren und sonst würde es auch nicht Schulklassen geben, wo österreichische Kinder in der Minderheit seien.

Straches größter Vorwurf an Faymann: Er lasse sich von der ÖVP am „Nasenring" ziehen und habe keine Führungsstärke. Michael Häupl ziehe im Hintergrund die Fäden, und zeitweise komme es ihm vor, als wäre der SPÖ-Chef ein reines Kunstprodukt. Was diesem ein spontanes Lachen entlockte.

Strache: „Gebranntes Kind"

„Mögen Sie einander?" Diese Frage Thurnhers, in Zusammenhang mit den gemeinsamen Verhandlungen im Parlament gestellt, beantworteten beide ausweichend. „Ich bin immer dafür, dass man eine Zusammenarbeit offen gestaltet, das hat aber nichts mit einer Koalition zu tun", sagte Faymann. Strache zeigte sich als „gebranntes Kind", wie Alfred Gusenbauer werde wohl auch Faymann seine Versprechen brechen.

Scharf gerieten die beiden in Sachen NS-Verbotsgesetz aufeinander. Strache meinte, in einer Demokratie sollte es möglich sein, auch „Schwachsinniges" zu sagen. Faymann ist für das bisherige scharfe Verbotsgesetz, um extreme Äußerungen nicht zu „verniedlichen".

Trotz aller Annäherungen im Parlament setze der SPÖ-Chef die „Ausgrenzungspolitik Franz Vranitzkys" gegen die Blauen fort, beklagte Strache. Nein, künftige Koalitionäre sehen nicht so aus.

 

(Die Presse, Print-Ausgabe, 17. 9. 2008)