Jetzt kämpft auch die US-Investmentbank Morgan Stanley ums Überleben.
New York/Frankfurt (red/ag.). Mit einer milliardenschweren Rettungsaktion bewahrten am Donnerstag die wichtigsten Notenbanken weltweit den Geldmarkt vor einem Kollaps. Die US-Notenbank Fed machte insgesamt 180 Mrd. Dollar locker. Weitere Milliardenbeträge kamen von der Europäischen Zentralbank, der Bank of Japan, der Bank von England und anderen Notenbanken. Eine derartige Feuerwehr-Aktion der Zentralbanken hatte es selbst nach den Terroranschlägen in den USA vom 11. September 2001 nicht gegeben.
An den internationalen Finanzmärkten geht nach der Pleite von Lehman, dem Notverkauf von Merrill Lynch und der in letzter Sekunde erfolgten Rettung des US-Versicherers AIG die Angst um. Die massiven Geldspritzen der Notenbanken konnten die Lage etwas entschärfen. Von Entwarnung kann aber noch keine Rede sein. Immerhin steht in den USA mit Morgan Stanley möglicherweise bereits die nächste große Investmentbank vor der Insolvenz. „Wir brauchen einen Fusionspartner, sonst schaffen wir es nicht“, soll Morgan-Stanley-Chef John Mack laut Medienberichten gesagt haben. Dem Vernehmen nach verhandelt Morgan Stanley jetzt mit dem US-Finanzkonzern Wachovia, der allerdings selbst von der Finanzkrise schwer getroffen wurde. Die Citigroup, die größte US-Bank, hat der „New York Times“ zufolge eine Fusion mit Morgan Stanley bereits abgelehnt.
Möglich wäre auch, dass die Chinesen Morgan Stanley ein zweites Mal zu Hilfe kommen. Die staatliche China Investment Corp. war bereits im Dezember 2007 mit knapp zehn Prozent bei der US-Investmentbank eingestiegen. Nun könnte sie laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg weitere 49 Prozent übernehmen.
Morgan Stanley, die zweitgrößte US-Investmentbank, musste im Vorjahr wegen der Hypothekenkrise einen zweistelligen Milliardenbetrag abschreiben, die Aktie stürzte ab.
„Spekulanten sind schuld“
Nach Ansicht von Bank-Chef Mack sind am Kursverfall Spekulanten schuld. „Wir stecken mitten in einen Markt, der von Angst und Gerüchten geprägt ist“, so Mack in einem internen Schreiben. Konkret prügeln angeblich Investoren mit ungedeckten Leerverkäufen die Aktie nach unten, um am Kursverlust zu verdienen.
Notverkäufe gibt es nicht nur bei Investmentbanken. Auch die ins Schleudern geratene größte US-Sparkasse Washington Mutual sucht einen Partner. Im Gespräch sind Wells Fargo, JP Morgan und Citigroup aus den USA sowie die britische HSBC.
US-Präsident George W. Bush versuchte am Donnerstag, die nervösen US-Bürger zu beruhigen. Weitere staatliche Eingriffe zur Rettung des Finanzsystems schloss er nicht aus.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.09.2008)