Goldige Zeiten für den Philharmoniker

(c) EPA (Manjunath Kiran)
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Verunsichert von den chaotischen Zuständen an den Finanzmärkten, flüchten viele Anleger in den „sicheren Hafen“ Gold. Bei Österreichs Banken ist die Nachfrage nach Goldmünzen um 50 Prozent gestiegen.

Wien. (höll). Verunsichert von den chaotischen Zuständen an den Finanzmärkten, sind die Anleger zuletzt in Gold geflüchtet. Bei Österreichs Banken ist seit Wochenbeginn die Nachfrage nach „Philharmoniker“-Goldmünzen um 50 Prozent gestiegen. Manche Institute sprechen sogar von einem Zehnjahreshoch. Die Münze Österreich musste schon Zusatzschichten einlegen. Sollte die Nachfrage weiter so stark sein, könnte es zu Engpässen kommen, warnt ein Sprecher. Interessierte müssten dann unter Umständen drei bis vier Tage auf die Münze warten.

Dennoch sollten Anleger aufpassen. Denn der Goldpreis ist derzeit extremen Kursschwankungen ausgesetzt. Ausschläge von mehr als 100 Dollar innerhalb von 24 Stunden sind keine Seltenheit. Noch vor einer Woche war der Preis für eine Feinunze Gold bei 735 Dollar auf ein Jahrestief gesunken. Nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers setzte eine beispiellose Rally ein. Am Donnerstagabend wurde ein Sechsmonatshoch von 919,91 Dollar erreicht.

Am Freitag war alles anders. Aufgrund der geplanten Rettungsaktion der US-Regierung für das US-Bankensystem erlitt der Goldpreis den heftigsten Preiseinbruch seit 1980. „So starke Kursschwankungen hat es historisch noch nie gegeben“, sagt Thorsten Proettel von der Landesbank Baden-Württemberg.

Wie geht es weiter? Seriöse Prognosen sind schwierig. Der Goldpreis hängt im Wesentlichen von der Entwicklung an den Finanzmärkten ab. Verschlimmert sich die Krise, dürfte schon bald die Marke von 1000 Dollar geknackt werden.

„Nicht dem Goldpreis hinterherlaufen“

Experten raten Privatanlegern, nicht dem Goldpreis hinterherzulaufen. Der sicherste Platz, den es derzeit gibt, ist der eines reinen Beobachters. „Jetzt ist keine Zeit für Panikentscheidungen. Niemand soll sein Portfolio auf Grund der Kursentwicklungen von einem Tag umbauen“, empfiehlt ein Analyst der Standard Chartered Bank. Erst wenn sich der Staub legt, sei die Zeit für den Aufbau neuer Positionen gekommen.

Wer sich dennoch für Gold oder Aktien entscheidet, sollte sich aufgrund der starken Kursschwankungen unbedingt ein Preislimit setzen.

AUF EINEN BLICK

Verunsichert von den chaotischen Zuständen an den Finanzmärkten, flüchten viele Anleger in den „sicheren Hafen“ Gold. Bei Österreichs Banken ist die Nachfrage nach Goldmünzen um 50 Prozent gestiegen. Doch Vorsicht: Der Goldpreis verzeichnet extreme Kursschwankungen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.09.2008)

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