Die angeschlagene US-Investmentbank soll sich an den chinesischen Staatsfonds CIC gewendet haben. Dort gibt man sich aber zurückhaltend.
In der langen Reihe der Finanzkonzerne, die im Zuge der Kreditmarktkrise ihre Eigenständigkeit verlieren, könnte die zweitgrößte Investmentbank der USA die nächste sein - Morgan Stanley. Dabei sind Morgan Stanley und der Branchenprimus Goldman Sachs die letzten beiden verbliebenen unabhängigen Investmentbanken der USA. Vor kurzem waren es noch fünf.
Das Haus ist derzeit schwer in Bedrängnis: Diese Woche mussten Morgan Stanley nach dem Zusammensturz von Lehman Brothers und dem Verkauf von Merrill Lynch einen dramatischen Aktienkurs hinnehmen.
Optimistischer Bankchef
Zwar zeigte sich danach Morgan-Stanley-Chef John Mack demonstrativ optimistisch. Kreisen zufolge ist der Bankchef davon überzeugt, dass sein Haus alleine überleben kann. Diese Woche habe er im Gespräch mit ranghohen Managern der Eigenständigkeit von Morgan Stanley oberste Priorität eingeräumt, hieß es aus dem Unternehmen.
Allerdings mehren sich gleichzeitig die Medienberichte, wonach John Mack derzeit gezielt über eine Fusion mit einem finanzstarken Partner verhandelt. So hatte der US-Wirtschaftssender CNBC über Verhandlungen zwischen Morgan Stanley und dem US-Finanzkonzern Wachovia berichtet. Die beiden Häuser führten bereits "fortgeschrittene Gespräche" über einen Zusammenschluss, meldete der TV-Sender am Donnerstag. Es seien Fusionsteams gebildet und Treffen anberaumt worden.
Zuvor sei bereits eine Fusion der Investmentbank mit der größten US-Bank Citigroup gescheitert, meldete am Donnerstag die "New York Times". Morgan-Stanley-Chef Mack habe am Dienstag bei Citigroup-Chef Vikram Pandit angerufen, um die Möglichkeit eines Zusammenschlusses zu besprechen, schreibt die renommierte Zeitung in ihrer Donnerstagausgabe. Pandit habe jedoch abgelehnt.
Diese Meldung hat Morgan Stanley inzwischen mit Nachdruck dementiert. Auch die "New York Times" musste am Freitag in einer Gegendarstellung zugeben, dass die Berichterstatter während des Gesprächs nicht anwesend waren und vergleichbare Aussagen von John Mack daher ohne Autorisierung nicht veröffentlichen können.
Der dritte Kandidat
Unterdessen bringen weitere Medienberichte einen dritten Fusionskandidaten ins Spiel: Die US-Investmentbank habe sich auch an den chinesischen Staatsfonds CIC gewendet.
Die Wall-Street-Firma spreche mit dem Staatsfonds über eine Aufstockung seiner Beteiligung auf bis zu 49 Prozent, berichtete am Donnerstag die Finanznachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insider. CIC war bereits Ende vergangenen Jahres mit zehn Prozent bei Morgan Stanley eingestiegen.
Begrenzte Begeisterung
In China wiederum hält sich die Begeisterung über die Offerte aus New York in Grenzen. Morgan Stanley könne ebenso wie der Konkurrent Goldman Sachs die Probleme sehr gut selbst lösen, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Freitag einen Vertreter des Staatsfonds CIC. "Wir bleiben bei unserem vorsichtigen Investmentbankansatz, wenn es um ausländische Beteiligungen geht." Zusätzlich wies der CIC-Vertreter auf die politischen Widerstände in den USA hin. "Selbst wenn wir Interesse hätten, dürfte sogar ein Anteil von weniger als zehn Prozent von der Regierung in Washington kritisch unter die Lupe genommen werden."
(Ag./mar)