Wenn die Banker künftig nur mehr mit Wertpapieren handeln, die sie verstehen, war die Finanzkrise wenigstens pädagogisch wertvoll.
Warren Buffett, einer der reichsten Männer der Welt, hat einmal gesagt, derivative Finanzgeschäfte auseinanderzuklauben, sei mit dem Versuch zu vergleichen, eine Katze an ihrem Schwanz nach Hause zu tragen.
Investmentbanker von Manhattan bis Moskau schleppen dieser Tage ganze Tierheime voll kratzbürstiger Katzen. Es wird lange dauern, bis klar ist, welchen Wert all die verschachtelten Wertpapiere noch haben, die man sich in den fröhlichen Jahren des billigen Geldes andrehen hat lassen. Denn, um noch ein felines Sprichwort zu bemühen: Allzu viele Banker haben säckeweise Katzen gekauft, also Wertpapiere, von denen sie nicht wussten, welche Risiken sie bargen. CDO, ABS, SIV, CPDO lauten die Zutaten jener Buchstabensuppe, die sich Lehman, Merrill Lynch, Bear Stearns, AIG und Konsorten eingebrockt haben. Auslöffeln müssen dieses Gebräu aus faulen Krediten die US-Steuerzahler.
Man kann nur hoffen, dass diese schwerste Börsenkrise seit acht Jahrzehnten den pädagogischen Effekt zeitigt, dass Banker hinfort nur mehr jene Geschäfte betreiben, die sie ihrer Schwiegermutter bei der Sonntagsjause in einfachen Worten erklären können.
Das würde allerdings voraussetzen, dass die Kunden dieser Banken – also wir alle – die Vorstellungen über Gewinnmöglichkeiten an die Realität anpassen. Regelmäßige Renditen von 30 Prozent und mehr sind illusorisch. Haben wir das begriffen? Wer weiß. Gier ist kein Privileg der Bankdirektoren. (Bericht: S. 17)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.09.2008)