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Klettern: Der Senkrechtstarter

David Lama
(c) GEPA (Simon Hausberger)
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David Lama gewann den Weltcup-Bewerb in Imst. Der 18-Jährige gilt als der Popstar der Szene, der alle Chancen hat, Gesamtweltcup-Sieger zu werden.

IMST. Als David Lama 2006 mit nur 15 Jahren in den Weltcup eingestiegen war, hatte er alle verblüfft: Im Vorstieg (die Wand ist bis zum höchsten Punkt am Seil durchzuklettern) wie im Boulder (die Wand wird ohne Seil auf geringer Höhe horizontal durchstiegen) übertrumpfte er die Konkurrenz. Auch etablierte Kletterer hatten das Nachsehen. Er holte Weltcup-Siege und Europameistertitel. Zuletzt feierte er am Wochenende in Imst im Vorstieg-Weltcup einen weiteren Sieg. Unerwartet, denn er hatte sich in dieser Saison ganz auf das Bouldern konzentriert: „Ich wäre mit dem Einzug ins Finale schon zufrieden gewesen“, sagte Lama. Der Sieg macht ihn nun auch zum Anwärter auf den Weltcup-Gesamtsieg.

Der Senkrechtstarter hat sich weiterentwickelt zu so etwas wie dem Popstar des Klettersports. Sportlich erfolgreich, telegen und eloquent beschloss er mit 17 Jahren, sich von der Schule abzuseilen und als Profisportler zu arbeiten. Nicht nur im Kletter-Weltcup. Im kommenden Februar wird er eine „Kletterhallentour“ starten und in Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz und in Österreich Werbung für den Sport und auch für sich machen. Mit Trainings und Wettkämpfen gegen ausgewählte andere Kletterer. „Immerhin muss ich schauen, dass ich vom Klettern leben kann“, sagt Lama, Sohn eines nepalesischen Sherpa und einer Tirolerin. In Imst kam er aus dem Autogrammeschreiben kaum heraus. „Die Leute erkennen mich“, sagt er. Dank eines Artikels im „Spiegel“ wurden etwa plötzlich statt täglich 300 Zugriffen auf seine Homepage mehr als 2000 registriert.

Aber das Leben in der Halle ist bei weitem nicht alles für ihn. Es zieht ihn in die „echten“ Berge. Im Dezember plant er in Patagonien einige Erstbesteigungen. Eine Expedition, die ihn reizt und mit der er sich in der Szene einen Namen machen kann.

David Lamas Erfolge sind kein Zufallsprodukt. Er bewegt sich in einem perfekten Umfeld, hat Manager und Trainer an seiner Seite. Und hervorragende Trainingspartner: Kilian Fischhuber (25) etwa, der durch seine enormen Erfolge dazu beitrug, Klettern in die Schlagzeilen zu bringen. In seinem Windschatten kletterten auch Anna Stöhr (20), Angela Eiter (22) oder Johanna Ernst (15) an die Weltspitze. Während Eiter verletzungsbedingt pausieren muss, führen Stöhr den Boulder-Weltcup und Ernst (Zweite in Imst) den Vorstieg-Weltcup an. Die junge Salzburgerin hat auch alle Chancen, den Gesamtweltcup zu gewinnen.

 

Im Osten viel Neues

Auch wenn im Westen Österreichs Zentrum der Wettkampfkletterer ist, auch in Wien lebt die Szene. „Urban bloc“ vor wenigen Tagen vor dem Wiener Austria Center ausgetragen, zog die Kletterelite genauso wie Zuschauermassen an. Und mitten im Stadtzentrum (I., Walfischgasse, www.edelweiss-center.at) eröffnete vergangene Woche eine gigantische Kletterhalle mit 460mKletterfläche. An Nachfrage nämlich fehlt es nicht. Der Wettkletterverband, 2006 gegründet, hält bei über 20.000 Mitgliedern. Tendenz steigend. Kein Wunder, machen doch Lama und Co. laufend Werbung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.09.2008)