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Madonna: Mit dem Thron auf der Insel

(c) Warner

Die Sängerin Madonna kommt heute erstmals nach Wien. Auf die Donauinsel. Statt „Sticky & Sweet“ könnte ihr Auftritt „cold & wet“ werden.

Sechs Stunden. So lange soll Madonna heute insgesamt auf österreichischem Boden verbringen. Das macht exklusive der exakt zweistündigen Show auf der Donauinsel noch weitere vier Stunden, die die Popdiva vermutlich vor allem damit zubringen wird, sich und ihre ohnehin gut gestählten Muskeln warmzuhalten. Mehr wird die seit kurzem 50-jährige Sängerin von Wien nicht sehen. Und die Wiener nicht von ihr.

Die österreichische Hauptstadt liegt bei Madonna auch nur auf der Durchreise, ist die 14. Station ihrer „Sticky & Sweet“-Tour, die sie seit 23. August durch Europa führt. Am vergangenen Wochenende trat sie zweimal in Paris auf, am Donnerstag wird sie in der kleinen montenegrinischen Küstenstadt Budva zu sehen sein (das hat sie sich von den Rolling Stones abgeschaut, die dort im Sommer 2007 ein Konzert gaben, im kleinsten Ort, in dem sie jemals auftraten), bevor es nächste Woche weiter nach Amerika geht. Wien ist also nicht nur die fast letzte Station in Europa, Wien will auch nicht so richtig in Madonna-Stimmung geraten. Das Konzert ist, im Gegensatz zu den vielen noch geplanten Konzerten in den USA, nicht ausverkauft. Es gibt noch Karten in allen vier Kategorien, von Kategorie A (Sitzplatz, sehr teuer: 280 Euro) bis zu den Stehplätzen um ebenfalls nicht gerade billige 99 Euro.

Die Tatsache, dass sich hierzulande kein echter Madonna-Hype einstellen will, hat aber auch sein Gutes (wer Madonna sehen will, kann das auf jeden Fall) und in erster Linie mit dem miesen Wetter zu tun, das sich seit Tagen über Österreich hält. Sogar die PR-Agentur des Veranstalters sagte am Montag, das Gelände sei zwar „in gutem Zustand“, feste Schuhe seien aber „natürlich trotzdem empfehlenswert“. Und Birgit Kopp von der Agentur Concept Stockwerk schickte auch gleich den mäßig aufbauenden Bericht der Zentralanstalt für Meteorologie (ZAMG) mit. Der Himmel bleibt heute zwar wolkenverhangen, der leichte Nieselregen vom Vormittag soll gegen Abend aber aufhören.Andererseits: Man kennt das – schlechtes Wetter und Freiluftkonzerte – vom Sommer und den vielen Open-Air-Festivals des Landes. Und eigentlich, so versprechen Madonna und ihre PR-Maschinerie, soll man bei ihrem Konzert so und so keine Zeit haben, an etwas anderes zu denken, als an das, was auf der Bühne passiert.

Einen Nachteil haben die Wiener aber auch hier wieder. Wer sich für die Auftritte der singenden Kabbala-Anhängerin interessiert, weiß schon ungefähr, was ihn erwartet: eine bestens trainierte Sängerin mit 16 Tänzern und einer zwölfköpfigen Band, ziemlich viele Nebel- und Lichteffekte, ein sterngezackter Thron, auf dem Madonna (die sich in zwei Stunden achtmal umzieht) ihre Beine in alle Himmelsrichtungen wirbelt. Die Musik aus ihrer 25-jährigen Karriere verkommt dabei beinahe zur Nebensache.

Puderquaste und Trampolin

Zu einer so groß angekündigten Tour gehört natürlich auch die übliche Superlativliste in Sachen Bühnenausstattung und Gepäck der Sängerin. So soll Madonna mit elf Trampolinen (fürs Training), vier Kühlschränken (für die Eiskompressen zum Regenerieren nach dem Auftritt), 200 Make-up-Schwämmen, 120 Puderquasten, 100 Knieschonern (für die akrobatischen Einlagen auf der Bühne) und 30 Schrankkoffern mit 3500Kleidungsstücken anreisen.

Wirklich spannend bleibt eigentlich nur, welchem prominenten Politiker sie diesmal Wünsche (Barack Obama) oder Flüche (John McCain) ausrichten lässt, und ob sie wieder Britney Spears auf die Leinwand projiziert. Alles andere bleibt aber Teil einer Konzertmaschinerie.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.09.2008)