Wasser und Brot statt Schampus und Kaviar: Nach dem Fall der Investmentbanken werden an die 100.000 Jobs gestrichen. Auch Luxus-Shops und Immobilienhändler zittern.
Zuerst fielen die Investmentbanken, dann die Investmentbanker – und jetzt fürchten Luxus-Shops, Bars und Restaurants sowie Immobilienhändler um ihre betuchte Klientel. Wie ein Kartenhaus drohen dies- und jenseits des Atlantiks Geschäftsleute in den Ruin zu schlittern, die jahrelang an den Millionären der Wall Street und der Londoner City gut verdienten.
"London und New York werden stärker unter den Folgen der Finanzkrise zu leiden haben als andere Finanzzentren", sagt Mark Yeandle von der Unternehmensberatung Z/Yen Group. Die Prognose von Moody's Economy.com gibt ihm recht: In London sollen im nächsten Jahr zehn Prozent der Arbeitsplätze in der Finanzindustrie verschwinden – das sind knapp 42.000 Jobs. In New York liegt die Vergleichszahl bei 64.000 Stellen, das sind 13,5 Prozent. Gleichzeitig dürften die Bonuszahlungen geringer ausfallen.
"Wie nach 9/11"
Wie stark die aktuelle Finanzkrise die beiden Metropolen trifft, zeigt eine weitere Zahl: In New York befinden sich nur zwölf Prozent aller Arbeitsplätze im Finanzbereich, sie sind aber für 30 Prozent des gesamten Lohneinkommens verantwortlich. "Es ist wie nach 9/11", jammert Bill Kokkosis. Er ist Delikatessenhändler in unmittelbarer Nähe des Firmensitzes von Lehman Brothers.
Die Marktkapitalisierung der börsenotierten Finanzunternehmen ist in London in den vergangenen zwölf Monaten um 25 Prozent gesunken, in New York um 37 Prozent. Während die Londoner Sterne-Gastronomin Sindead Mallozzi fürchtet, dass die mondänen Weihnachtsfeiern heuer dem Sparstift zum Opfer fallen dürften, hofft ihr Kollege Vincent Alessi von BobbyVan's Steakhouse in New York, dass die Gäste ihren Frust zumindest an der Bar herunterspülen – wenn sie schon auf das T-Bone verzichten.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.09.2008)