IMAS-Studie: „Keiner ist eine wirkliche Wahllokomotive“

(c) APA (Helmut Fohringer)
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Faymann und Molterer haben seit dem Sommer Punkte eingebüßt. Bei den Sympathiewerten liegt Faymann in allen Umfragen vor Molterer.

WIEN (mon). Vor allem ratlos: So präsentiert sich derzeit das österreichische Wahlvolk. Laut einer der „Presse“ exklusiv vorliegenden Studie des Linzer Meinungsforschungsinstitutes Imas hatten Mitte September erst 35 Prozent der Österreicher eine klare Vorstellung, wen sie am Sonntag wählen wollen. 23 wussten bestenfalls ungefähr, welcher Partei sie ihre Stimme geben wollen, jeder Vierte ist total unschlüssig, und 17 Prozent hüllen sich in Schweigen.

Ob TV-Duelle – Werner Faymann und Wilhelm Molterer traten Dienstagabend im ORF gegeneinander an – da eine Hilfe sind? Laut Imas-Chef Andreas Kirschhofer waren diese Fernsehkonfrontationen in der Vergangenheit fast nie wahlentscheidend. „Da muss einer schon sehr auf die Nase fallen“, sagt er im „Presse“-Gespräch. So hatte das spektakuläre Scheitern von Josef Taus gegen Bruno Kreisky 1979 ernsthafte Folgen, die ÖVP verlor.

Bei den Sympathiewerten liegt Faymann in allen Umfragen vor Molterer. Doch strahlend schneiden beide nicht ab, sagt Kirschhofer. „Keiner ist eine wirkliche Wahllokomotive.“ Bei den Sympathiewerten haben die beiden Großparteien im Vergleich zum Sommer jeweils sieben Prozentpunkte eingebüßt. Auch die grünen Werte sind leicht gesunken, während Jörg Haider und vor allem Heinz-Christian Strache ihre Publikumsgunst erheblich erhöhen konnten.

Grüne tendieren zur SPÖ

Imas fragte in der vorliegenden Studie, wo die politische „Zweitsympathie“ der Befragten liegt. Besonders „nahe“ liegen sich da naturgemäß Blau und Orange, deren Sympathisanten die mit Abstand größte Zuneigung für die jeweils andere Partei verspüren: Von den BZÖ-Anhängern haben 55 Prozent eine Zweitneigung für Straches FPÖ. FPÖ-Sympathisanten liebäugeln mit dem BZÖ, danach folgt aber gleich die SPÖ. Wer die Grünen favorisiert, tendiert ebenfalls am ehesten zur SPÖ. Wer freiheitlich wählt, macht wiederum einen großen Bogen um die Grünen.

Die Wahl zwischen Rot und Schwarz ist offenbar nicht ganz so klar. So haben Sozialdemokraten zu 34 Prozent eine „Zweitneigung“ für die Volkspartei, die ÖVP-Sympathisanten umgekehrt zu 30 Prozent für die SPÖ. Knapp danach – mit 29 Prozent – folgt aber schon die FPÖ.

Für Kleinparteien wird es eng

Traditionell schaut man in der letzten Woche vor einer Wahl eher auf die Großparteien. Für die „Kleinen“ wird es daher jetzt besonders eng. Bei den Liberalen, denen man am ehesten zugetraut hätte, die Vier-Prozent-Hürde zu überspringen, um in den Nationalrat einzuziehen, wird der Wahltag nun zur Zitterpartie. Mit dem Abgang von Parteichef Alexander Zach nach Bekanntwerden seiner Lobbyingaktivitäten für EADS (siehe Seiten vier und fünf) versuchten die Liberalen einen Befreiungsschlag. Ob das auch nützt, wagen die Meinungsforscher jetzt nicht zu prognostizieren.

Laut „market“ lagen sowohl Liberale als auch die Liste Dinkhauser bisher unter vier Prozent. OGM sah das LIF noch vor Bekanntwerden der Affäre über der Hürde.

Eine „Sonntagsfrage“ veröffentlichen die Meinungsforschungsinstitute nicht mehr. Momentan liegt die SPÖ beim Kopf-an-Kopf-Rennen mit der ÖVP leicht vorne. Bei den persönlichen Werten hat Faymann klarer die Nase vorn.

Wahlkampf mit Frauen

Gleich nach der Regierungsbildung und bis zu Wahlkampfbeginn war aber die Volkspartei stets vorne gelegen. Seit dem Ausbrechen der Finanzmarktkrise scheint die ÖVP nun wieder leichten Aufwind zu haben. Auch die eigenen Funktionäre „laufen“ jetzt engagierter. Molterer präsentierte sich in den letzten Tagen mit prominenten Unterstützerinnen aus Deutschland: Kanzlerin Angela Merkel und Familienministerin Ursula von der Leyen traten mit ihm auf.

Bei der SPÖ konnte Faymann den von Noch-Kanzler Alfred Gusenbauer stark demotivierten Arbeitnehmerflügel mobilisieren. Als Dank winkt der Gewerkschaft das Sozialministerium. Faymann setzte ebenfalls ein „weibliches“ Signal: Er positioniert Unterrichtsministerin Claudia Schmied als seine künftige Finanzministerin.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.09.2008)

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