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CO2-Speicherung: Europas Klimaproblem ist lösbar

(c) AP (Eckehard Schulz)
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Eine neue Technik soll die Entsorgung von CO2 unter die Erde bis 2030 rentabel machen. Die EU will Milliarden in die ersten zwölf sauberen Kraftwerke investieren.

BRÜSSEL. Lange hatte es so ausgesehen, als müsse sich die EU wieder von ihrem eigenen Klimapaket verabschieden, das die Kommission gemeinsam mit den 27 Mitgliedstaaten geschnürt hatte. Zu ehrgeizig sei das Ziel, mindestens 20 Prozent beim CO2-Ausstoß bis 2020 einzusparen, so lautete der Einwand der Industrie. Mit solchen Reduzierungen wäre man international nicht mehr wettbewerbsfähig. So hieß es auch in Österreich. Doch jetzt kommt ausgerechnet aus der Wirtschaft ein Argument, das der Europäischen Union helfen könnte, doch noch an ihren Klimazielen bis 2020 festzuhalten.

Mit der sogenannten CCS-Technik für das Absondern und Speichern von CO2 könne man die Klimabilanz der EU wesentlich verbessern, behauptete die internationale Beratungsfirma McKinsey diese Woche in Brüssel. Mit CCS, Carbon Capture Storage, kann Kohlendioxid (CO2) umweltschonend wieder tief in den Boden geleitet und dort endgelagert werden. Bisher galt die Technik noch als zu wenig ausgereift. Nun will die EU aber Milliarden in die Weiterentwicklung und in den Bau erster sauberer Kraftwerke investieren. Bis Ende des Jahres, noch unter der französischen EU-Präsidentschaft, soll das Paket stehen.

Bereits 2030 würden McKinsey zufolge etwa Kohlekraftwerke durchaus rentabel mit der neuen Technologie arbeiten, wenn der Preis für Verschmutzungszertifikate weiter steigt. Eine solche Entwicklung im Emissionshandel ist durchaus absehbar, weil Betriebe wie der österreichische Stahlverarbeiter Voest aufgrund ihres hohen Energieverbrauchs keine massive Reduktion beim CO2-Ausstoß erzielen können. Sie müssen teure Zertifikate zukaufen. McKinsey-Experte Tomas Nauclér geht davon aus, dass 2030 die Lagerung von einer Tonne CO2 in tiefen Erdschichten wie etwa in früheren Erdgas- oder Erdöllagerstätten rund 30 bis 45 Euro pro Tonne kosten wird. Bis dahin dürften auch die Zertifikate auf diesen Preis pro Tonne ansteigen.

Davor müsse man freilich mit höheren Kosten für die neue Technik rechnen, nämlich mit 60 bis 90 Euro pro Tonne CO2, wenn man sich zu solchen „Demonstrationsprojekten“ entschließt. Das bedeutet im Beispiel von McKinsey: bis zum Jahr 2030 Mehrkosten von 500 Millionen bis 1,1 Milliarden Euro bei einem Projekt über 300 Megawatt.

In solche Projekte mit der neuen CCS-Technik solle aber investiert werden. Nur so könne Europas Klimaproblem gelöst werden, behauptet McKinsey. Von EU-Energiekommissar Andris Piebalgs kamen in einer ersten Reaktion positive Signale: „Eine frühe Demonstration der technischen Machbarkeit von CCS ist essenziell, um rasch eine kohlenstoffarme Stromerzeugung zu erreichen, die auch wirtschaftlich machbar ist.“ Noch in diesem Jahr werde die EU-Kommission, die oberste Verwaltungsbehörde Europas, ein Paket für die Entwicklung der neuen Technik schnüren. Laut Austria Presseagentur will die EU bis 2015 etwa zehn bis zwölf Pilot-Kraftwerke mit CCS finanzieren, um diese Technik voranzutreiben.

 

Österreich für Gratiszertifikate

Österreichs Industrie drängt unterdessen weiter auf Gratiszertifikate im Emissionshandel für Branchen wie Stahl, Aluminium oder Glas, die trotz moderner Maschinen besonders viel Energie verbrauchen: Diese sollten vorerst vom EU-Klimaziel ausgenommen werden, drängt unter anderem die Wirtschaftskammer. Sonst würden Betriebe in andere Wirtschaftsräume abwandern, wo keine so strengen Vorgaben gelten. „Diese Gefahr ist kein Phantom“, wird behauptet. Auch das EU-Parlament, das über das Paket mitentscheidet, kann sich Ausnahmen vorstellen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.09.2008)