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Russland: Staat und Oligarchen konsolidieren Bankenmarkt

Roter Platz
(c) Bilderbox
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Der Startschuss für Verschiebungen und Besitzerwechsel auf Russlands Bankensektor ist gefallen.

Moskau. Mit einem ausgeprägten Hang zu exzessiven Partys in Gesellschaft junger Damen war er in den letzten Jahren assoziiert worden. Und mit jenen geschätzten zehn Mrd. Dollar, die er Mitte des Jahres durch den Verkauf seiner Anteile am Metallurgie-, Finanz- und Immobilienkonzern „Interros“ eingestrichen hatte. Nun meldet sich Michail Prochorow auf dem Finanzmarkt zurück. Als Erster hat der 43-jährige Hagestolz, der laut Forbes-Journal mit einem Gesamtvermögen von 22,6 Mrd. Dollar fünftreichster Russe ist, die Krise auf dem russischen Finanzmarkt für sich genützt und kauft sich in Banken ein.

Für mickrige 500 Mio. Dollar hat sich Prochorows Holding „Onexim“ 50 Prozent an der Investmentbank „Renaissance Capital“ (Renap) gesichert. Im Vorjahr war das Institut, das auf Platz 56 unter den etwa 1000 russischen Geldinstituten rangiert, noch mit zehn Mrd. Dollar bewertet worden. Am Mittwoch legte er gleich nach und kaufte das weniger bekannte Geldinstitut „APR-Bank“. Doch das ist nur der Startschuss für tektonische Verschiebungen auf dem russischen Bankensektor.

 

Ausverkauf bei kleinen Banken

Die Finanzkrise hatte zahlreiche Banken in die Zahlungsunfähigkeit gestürzt. Der russische Finanzsektor hat in den letzten Wochen die dramatischste Talfahrt seit der Rubelkrise 1998 erlebt. Auf der Börse, die vorige Woche letztlich fast 60 Prozent unter dem Höchstniveau vom Mai landete, waren die Bankentitel am tiefsten abgefallen. Die Regierung sprang mit Notfallkrediten für 28 Banken ein. Einige von denen, die nicht vom Programm profitieren, gehen billig über den Ladentisch.

So etwa niemand Geringerer als die Svjaz-Bank, die mit ihren Großkunden wie der russischen Post immerhin Platz 20 im russischen Forbes-Bankenranking einnimmt und über eines der größten Filialnetze verfügt. Am Dienstag ist die staatliche Großgesellschaft „Vneschekonombank“ eingesprungen und hat sich 98 Prozent der Svjaz-Bank einverleibt.

 

Nur Großbanken profitieren

Diese wird kaum das letzte Opfer gewesen sein. 15 Geldinstitute sind ihren Zahlungsverpflichtungen zuletzt nicht nachgekommen und könnten daher bald geschluckt werden, behaupten Experten. Am Dienstag tauchten Meldungen auf, dass die kleinere Bank „Rosprombank“ an ausländische Investoren ging.

Das staatliche Stützprogramm führt dazu, dass die Großbanken auf Kosten der Kleineren gestärkt werden. Wird dies von Experten einerseits begrüßt, weil damit auch übel beleumundete Institute auf dem zersplitterten Bankenmarkt verschwinden, kommt auch Kritik: Zugang zu staatlichen Geldern hätten nur Großbanken, ein Mechanismus zur weiteren Geldverteilung fehle, bedauert der Analyst Alexej Pavlov.

Bei jeder Anspannung würden die Großen die Kreditfenster für die Kleinen schließen, was zum Kollaps führe.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.09.2008)