US-Rettungspaket kostet 2.300 Dollar pro Person

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Das Rettungspaket für den US-Finanzsektor würde jeden Bürger 2.300 Dollar kosten - und hat nicht nur deshalb zahlreiche Gegner. Zugleich erhöht die Angst vor seiner Verzögerung die Nervosität am Markt.

Das geplante staatliche Rettungspaket für die angeschlagene Finanzbranche in den USA würde die Bürger teuer zu stehen kommen. Umgerechnet würde das 700 Mrd. Dollar-Hilfspaket jeden US-Amerikaner 2.300 Dollar (1.566 Euro) kosten - vom Baby bis zur Großmutter.

Das berichtet die "New York Times" aus der Debatte im Banken-Senatsausschuss des US-Kongresses. Dies habe Senator Mike Enzi, ein Republikaner aus Wyoming, ausgerechnet.

Banges Warten auf den Rettungsplan

Unterdessen hat die Angst vor einem möglichen Scheitern des Rettungsplans weltweit Nervosität auf den Finanzmärkten ausgelöst.

An den europäischen Märkten lief der Handel am Mittwoch nur schleppend an. Das Plus an den asiatischen Börsen hielt sich in Grenzen. Der Bankenausschuss des US-Senats hatte davor am Dienstag (Ortszeit) ernste Bedenken an dem Hilfspaket mit 700 Milliarden Dollar (477 Mrd. Euro) für den angeschlagenen US-Finanzsektor angemeldet und es in seiner derzeitigen Form als nicht akzeptabel bezeichnet.

Bedenken in beiden Lagern des Senats

Sowohl Demokraten als auch Republikaner hätten Bedenken gegen die Regierungspläne geäußert, sagte der demokratische Ausschussvorsitzende Chris Dodd nach einer gemeinsamen Sitzung mit Finanzminister Henry Paulson in Washington. Der ranghöchste Republikaner im Bankenausschuss, Richard Shelby, sagte, man müsse sich Alternativen ansehen. Es seien deutliche Änderungen nötig. Der ebenfalls republikanische Senator Jim Bunning sagte: "Dieser massive Rettungsplan ist keine Lösung. Das ist finanzieller Sozialismus und unamerikanisch." Der frühere US-Präsident Jimmy Carter (Demokraten) kritisierte das geplante Rettungspaket als "extrem fehlerhaft".

George W. Bush ist dafür

US-Präsident George W. Bush verteidigte das Hilfspaket in seiner Rede vor der UNO-Vollversammlung in New York dagegen erneut. Er versprach, dass Kongress und Regierung in den USA zusammenarbeiten würden, um den Rettungsplan rasch zu verabschieden. Inzwischen ermittelt die US-Bundespolizei FBI laut Medienberichten wegen Betrugsverdachts gegen die US-Finanzriesen Lehman Brothers, Fannie Mae und Freddie Mac sowie gegen die Versicherungsgruppe AIG, die die jüngste weltweite Finanzkrise ausgelöst hatten.

Bernanke warnt vor "Konsequenzen"

Zuvor hatte US-Notenbankchef Ben Bernanke die Abgeordneten vor "schwerwiegenden Konsequenzen" gewarnt, sollte der Kongress dem Rettungsplan nicht zügig zustimmen. Finanzminister Paulson warnte, die Bankenkrise drohe "alle Teile unserer Wirtschaft" zu gefährden. Die US-Regierung will den angeschlagenen Banken faule Kredite abkaufen. Am Mittwoch sollten Bernanke und Paulson auch vor dem Finanzdienste-Ausschuss des Repräsentantenhauses zu dem Rettungspaket aussagen. Führende Kongresspolitiker hatten zwar grundsätzliche Zustimmung geäußert, aber Schutzmechanismen auch für einfache US-Bürger eingefordert.

Das FBI ermittle mittlerweile gegen 26 Wall-Street-Unternehmen, berichtete der US-Nachrichtensender CNN am Dienstagabend (Ortszeit). Dabei solle geklärt werden, ob die Unternehmenschefs durch "Desinformationen" zu deren finanzieller Schieflage beigetragen hätten. FBI-Sprecher Richard Kolko bestätigte gegenüber dem Sender ABC die Zahl von 26 verdächtigen Firmen.

EU: Banken sollen Risiken selbst tragen

Die EU-Kommission will die Banken laut einem Zeitungsbericht als Konsequenz aus der US-Finanzkrise zwingen, Risiken bei Wertpapieren stärker selbst zu tragen. Ein von EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy vorbereiteter Richtlinien-Entwurf sieht nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" (Mittwochausgabe) vor, dass Banken künftig fünf Prozent der Risiken beim Verkauf von Wertpapieren oder Anteilscheinen selbst absichern. Die Vergabe von Großkrediten, die sich Finanzinstitute untereinander gewähren, solle eingeschränkt werden.

Neue Geldspritzen kommen

Die Europäische Zentralbank hatte dem Markt am Mittwoch erneut eine Geldspritze in Form eines Schnelltenders zur Verfügung gestellt. Das Volumen des Schnelltenders beträgt 40 Milliarden Euro.

In Hongkong versammelten sich tausende Sparer vor den Filialen der Bank of East Asia, um sich ihre Geldanlagen auszahlen zu lassen. Bankmitarbeiter versuchten sie zu beruhigen und versicherten, das Finanzunternehmen sei nicht übermäßig von der Krise in den USA betroffen und die Spareinlagen sicher. Der US-Geschäftsmann Warren Buffett kaufte für fünf Milliarden Dollar (3,4 Milliarden Euro) Anteile an der US-Bank Goldman Sachs.

(Ag./Red.)

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