Zeitung/Online: „Wir suchen alle noch nach Öl“

Kein Print-Pessimismus bei den Medientagen. Hoffnung auf das Internet, das (noch) wenig abwirft.

„Derzeit treten bei den Medientagen in Wien und München kaum Betriebsberater auf. Die haben uns vor fünf Jahren gesagt, dass es heute keine Print-Zeitung mehr geben wird – das war dieselbe Kategorie, die noch vor fünf Wochen Lehman Brothers sehr gut bewertet hat“, meinte Moderator Michael Grabner beim Printgipfel der Medientage launig.

Und tatsächlich: Von Printpessimismus keine Spur. „Ich glaube, dass die Plattform Papier alles andere als tot ist – vielleicht sogar die größten Zukunftschancen hat mit neuen Geschäftsmodellen“, meinte VÖZ-Präsident und Styria-Vorstandsvorsitzender Horst Pirker. Christian Nienhaus, Geschäftsführer der WAZ, die kürzlich ein neues, gemeinsames Internet-Portal für ihre Zeitungen im Ruhrgebiet online gestellt hat, meinte: „Print ist ein wunderbares Geschäftsmodell. Im Internet suchen wir alle noch nach Öl.“

„Standard“-Herausgeber Oscar Bronner tut das am längsten: „Wir hatten das Glück, als erste deutschsprachige Zeitung im Internet zu sein.“ Er habe sich für das Modell der Konfrontation zwischen Print- und Online-Produkt aus dem eigenen Haus entschieden: „Wenn jemand die Zeitung kannibalisiert, dann mach ich's lieber selber.“ Heute macht die Online-Sparte des Verlags etwa 20Prozent des Umsatzes der Print-Sparte. In drei Jahren will Bronner bei rund 40Prozent sein.

Umsatz: Von 50:50 „weit entfernt“

Das schafft nicht einmal der mit nur 14Tagen Abstand zweitschnellste heimische Verleger im Netz: Eugen Russ (Vorarlberger Medienhaus). Er mache in Deutschland und Österreich im Vergleich zu Print 15 bis 17Prozent Online-Umsatz und peilt „mit vielen Akquisitionen, weil in der organischen Entwicklung ist das nicht möglich“ 25 bis 30Prozent an. Wolfgang Fellner („Österreich“) hat langfristig ein Umsatzverhältnis von 50:50 zwischen Print und Web im Auge. „Davon kann derzeit aber keine Rede sein“, sagte er. „Wir liegen noch knapp unter zehn Prozent.“ Oliver Voigt erinnerte die Runde daran, dass nicht der Umsatz, sondern der Gewinn entscheidet: Der News-Verlag habe gesamt eine Rendite über zehn Prozent – „in der Web-World ist es fast dreifach so viel“. Von Pessimismus keine Spur, auch wenn „wir keine Idee haben, wie wir das Geschäftsmodell Print eins zu eins aufs Internet übertragen“ (© Nienhaus). i.w.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.09.2008)

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