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Photokina: Die große Megapixel-Schau

Leica M8 auf der Photokina
AP (Martin Meissner)
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Auf der größten Foto-Messe der Welt in Köln übertrumpfen sich die Hersteller mit technischen Innovationen. Touchscreens, WLAN und GPS erobern die Kameras.

Fotografieren war gestern. Wer sich heute eine neue Digicam zulegt, kauft sich Funktionen mit, die man von einer Kamera normalerweise nicht erwarten würde. Knipst man zum Beispiel den Stephansdom, liefert das eingebaute GPS- und WLAN-Modul über eine Datenbank Infos aus dem Web zum Bauwerk auf das Display. Solche schlauen Apparate sind die Stars der diesjährigen Photokina, die noch bis Sonntag in Köln über die Bühne geht. Die weltgrößte Fotoschau zog in diesem Jahr 1523 Aussteller an den Rhein. Die Messeleitung erwartet 160.000 Besucher. Mehr als 200 Firmen sind heuer neu vertreten. Ein Beweis, dass die Fotobranche trotz einer Marktsättigung in Zentraleuropa von rund 50 Prozent nach wie vor boomt. So sollen alleine in Österreich in diesem Jahr rund 800.000 digitale Kameras über die Ladentische wandern. Ein Plus von sechs Prozent gegenüber 2007. Gezeigt werden in Köln neben der neuen Digicam-Generation auch Camcorder und Zubehör wie Drucker, digitale Bilderrahmen und Software für Bildbearbeitung.

 

Schlaue Alleskönner

Bei Kompaktkameras übertrumpfen sich die Hersteller derzeit mit technischen Innovationen. Hier geht die Reise eindeutig Richtung Multimedia. Das Pixelwettrüsten wurde bei 15 Megapixel vorläufig auf Eis gelegt. Stattdessen werden den Konsumenten mit intelligenten digitalen Assistenten noch perfektere Fotos versprochen. Dazu gehören neben nützlichen Funktionen wie verbesserten Belichtungsmodi, Bildstabilisatoren oder automatischer Gesichtserkennung auch Spielereien wie eine Make-up-Funktion, die Hautunreinheiten glätten soll. Auch GPS wird bei immer mehr Kameras, wie bei der neuen Nikon P6000, zum Thema. Damit lässt sich mit einer speziellen Software nachträglich am PC über eine Weltkarte exakt eruieren, wo genau ein Foto geknipst wurde.

Groß im Kommen sind auch Outdoor- und Unterwasser-Cams. Getestet werden können die Geräte, wie etwa die Olympus mju 1050, die bis zu drei Meter wasserdicht ist, in einer eigenen Halle, wo speziell dafür ein Meeresaquarium installiert wurde.

 

Touchscreen statt Knöpfe

Punkto Ausstattung setzen immer mehr Hersteller auf Touch-Displays, vergleichbar mit dem iPhone. Deren Vorteil: Kameras lassen sich einfach und schnell per Fingertipp bedienen, auf zusätzliche Steuerknöpfe kann verzichtet werden. Und auch Filmfans kommen bei vielen neuen Kompakten auf ihre Rechnung, die zum Teil schon HD können und so dem klassischen Camcorder Paroli bieten. Bei den Preisen darf sich der Konsument ebenso freuen. Ab 150 Euro kann man sich schon eine ordentliche Zehn-Megapixel-Cam mit nach Hause nehmen. Das größte Wachstum wird in den nächsten Jahren aber digitalen Spiegelreflexkameras prognostiziert. Die großen Hersteller wie Canon, Nikon, Olympus oder Sony sind mit einer Palette neuer Modelle in Köln vertreten. Der Trend geht hier zu günstigen Einsteigergeräten, die schon um die 400 Euro zu haben sind. Jede dritte DSLR wird schon in diesem Preissegment verkauft. Aber auch bei der technischen Weiterentwicklung steht das Rad nicht still. So findet man jetzt auch bei Profi-Cams Funktionen, die bis vor kurzem nur bei Kompaktkameras zum Einsatz kamen, wie zum Beispiel eine automatische Gesichtserkennung oder ein Videomodus. Die neue Canon EOS Mark 5D II kann das sogar in Full HD.

 

Spiegelreflex kompakt

Neben den klassischen DSLR versucht Panasonic mit der G1 einen neuen Kamerastandard zu etablieren. Die Cam ist eine Mischung aus Spiegelreflex- und Kompaktcam ohne Spiegel aber mit Wechselobjektiv. Als Objektiv wird erstmals der mit Olympus gemeinsam entwickelte MicroFour/Third- Standard eingesetzt, der die Bauweise von wesentlich kleineren Objektiven und Geräten erlaubt. Laut Panasonic will man mit der G1 vor allem jene Fotografen ansprechen, denen eine normale Spiegelreflexkamera zu groß und zu unhandlich ist.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.09.2008)