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Migranten wählen Rot und Blau

(c) Reuters (Dominic Ebenbichler)
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Freiheitliche schneiden bei Zuwanderern erstaunlich gut ab. Bei Jungwählern liegen FPÖ und ÖVP vorne, die SPÖ kommt hier nur auf Platz vier.

Wien. Zwei Tage vor der Wahl steigt die Spannung: Die Meinungsforscher sehen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen SPÖ und ÖVP mit leichten Vorteilen für die Sozialdemokraten, wobei aber beide gegenüber der letzten Wahl klar verlieren dürften. Aber: Alles ist noch offen, die Zahl der Unentschlossenen oder jener, die sich nicht deklarieren, ist hoch.

Erstaunliche Ergebnisse bringt aber eine Auswertung der Umfragen des Meinungsforschungsinstituts OGM nach Zielgruppen. Beispiel Erstwähler: Dort hat sich die traditionelle Struktur der Parteienlandschaft mit ihrer Aufteilung in Groß- und Kleinparteien längst aufgelöst. Übrig geblieben sind vier Mittelparteien (SPÖ, ÖVP, Grüne, FPÖ) mit einem Stimmanteil von 20 bis 28 Prozent. In Führung liegt hier überraschenderweise die FPÖ – ganz knapp vor der ÖVP. (Die statistische Schwankungsbreite ist bei dieser kleinen Gruppe allerdings groß).

Die SPÖ, die bei den Jungwählern nur die Nummer vier ist, kann dort aber bei der Kanzlerfrage punkten. 27 Prozent würden bei einer Direktwahl für Werner Faymann votieren, 21 Prozent für Grünen-Chef Alexander Van der Bellen. Heinz-Christian Strache und Wilhelm Molterer schneiden da deutlich schwächer ab.

 

ÖVP bei Migranten schwach

Erstaunlich sind auch die Ergebnisse für Wähler mit Migrationshintergrund – also Staatsbürger, die entweder selbst, oder deren Eltern im Ausland geboren wurden. Die Wahlauseinandersetzung, die sich SPÖ und Grüne um diese gar nicht so kleine Zielgruppe liefern, zeigt zwar Wirkung, beide Parteien werden von Migranten überdurchschnittlich häufig gewählt. Aber unter den Gewinnern in dieser Gruppe ist auch ausgerechnet die FPÖ, die hauptsächlich mit dem Anti-Ausländerthema punktet. 23 Prozent der Migranten wählen laut OGM-Umfrage die FPÖ – in der Grundgesamtheit sind es nur 18 Prozent. Damit ist die FPÖ auch Nummer zwei dieser Zielgruppe – vor den Grünen. Ganz schwach bei den Migranten schneidet dafür die ÖVP ab. Sie kommt nur auf bescheidene elf Prozent.

Wenig überraschend fallen die Hochburgen der Parteien aus. Bei der SPÖ sind es die Pensionisten, bei der ÖVP die regelmäßigen Kirchgeher. Die FPÖ schneidet besonders stark bei den EU-Kritikern ab, die Grünen bei den Jungwählern und Migranten. Das BZÖ ist bei Familien mit Kindern überduchschnittlich stark, das Liberale Forum bei den Befürwortern der Europäischen Union.

 

Krone-Kampagne zeigt Wirkung

Wirkung zeigen dürfte die kampagnenartige Berichterstattung der „Kronen Zeitung“. 38 Prozent der regelmäßigen Krone-Leser wollen die SPÖ wählen, nur halb so viele die ÖVP. Aber auch die FPÖ ist unter den Lesern des Kleinformats ganz stark. Bei den „Presse“-Lesern dagegen hat die ÖVP klar die Nase voran.

Nur 78 Prozent der Bevölkerung haben sich übrigens jetzt schon entschlossen, „ganz sicher“ zur Wahl zu gehen. Eine Auswertung nach Zielgruppen zeigt, warum die Pensionisten von den Wahlwerbern heftiger umworben sind als die Jungen. Nicht nur, dass sie zahlenmäßig längst die größte Gruppe stellen, gehen sie auch geschlossener zur Wahl. Während 82 Prozent der Pensionisten ganz sicher am Sonntag ihr Kreuzerl machen wollen, sind es bei den Erstwählern nur 62 Prozent.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.09.2008)