Noch-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer sieht für Österreich keine Rezessionsgefahr. Die Wachstumszahlen in Europa würden in der nächsten Zukunft allerdings bescheidener ausfallen als dies in den letzten Jahren der Fall war, meinte der scheidende Kanzler am Donnerstag in New York.
"Früher hat man immer gesagt, wenn Deutschland einen Schnupfen hat, hat Österreich eine Lungenentzündung. Heute würde ich sagen, hat Deutschland eine Lungenentzündung und Österreich vielleicht nur einen Schnupfen", sagte der Kanzler, der an der UNO-Vollversammlung teilnimmt und in bilateralen Gesprächen für die Kandidatur Österreichs für einen nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat wirbt.
"Ich habe den Eindruck, das wir gute Aussichten haben," sagte er in einem Pressegespräch mit österreichischen Journalisten. "Wir müssen uns natürlich im Klaren darüber sein, dass die anderen auch nicht untätig sind und wird müssen deswegen schauen, dass wird bis zum Schluss die Commitments (etlicher Staaten) aufrechterhalten."
Bei der geheimen Abstimmung am 17. Oktober bewerben sich drei europäische Länder um zwei Sitze, die bis Ende des Jahres Belgien und Italien innehaben - Österreich, Island und die Türkei.
Was die derzeitige Finanzkrise betrifft, schlägt Gusenbauer für die Zukunft eine Weltfinanzorganisation nach dem Muster der Welthandelsorganisation (WTO) vor. Sie hätte die Kompetenz, nicht nur die Einhaltung der Regeln zu überprüfen sondern letztendlich auch Strafen zu verhängen, wenn gegen die Regeln verstoßen würde. Als Ansatzpunkte nannte er die Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel oder den Weltwährungsfonds (IWF) in Washington.
Die Ursache der Finanzkrise führte der Kanzler auf die Bankenkultur in den angelsächsischen Ländern zurück, die ja auch am stärksten betroffen seien, also in erster Linie die USA und Großbritannien.
(APA)