Spekulanten und hohe Nachfrage machen Kaffee teurer

Kaffeebohnen
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Seit Juni 2004 hat sich der Preis für Rohkaffee mehr als verdoppelt. Immer mehr Spekulanten wechseln von Öl zu Kaffee - bereits ein Drittel der weltweiten Ernte wird von Rohstoff-Fonds kontrolliert.

Der Kaffeepreis führt ein gewisses Eigenleben. Von den heftigen Preisrückgängen an den Rohstoffmärkten im Sommer zeigte sich die sogenannte Soft-Commodity ebenso nahezu unberührt wie von den heftigen Preisausschlägen der letzten Tage aufgrund der US-Finanzkrise.

Dennoch stieg der Preis für die schwarze Bohne in den vergangenen Jahren rasant. 2004 kostete ein Pfund (knapp ein halber Kilo) Rohkaffee an den Weltmarktbörsen im Schnitt 62,15 Dollar-Cent, derzeit sind es 125,42 Cent.

Hohe Nachfrage treibt Preise

Experten gehen davon aus, dass die schwarze Bohne ihre Preisrally weiter fortsetzen wird, zieht doch der Verbrauch in Osteuropa, Indien und China deutlich an. Und in traditionellen Kaffeeanbauländern wie Brasilien, Mexiko und Vietnam wird mehr Kaffee getrunken. Daher bleibt weniger für den Export. Auch die hohen Energiekosten schlagen sich auf den Kaffeepreis durch. Das geht aus der aktuellen Analyse der "Internationalen Kaffeeorganisation (ICO)" hervor.

Außerdem folgt die Kaffee-Ernte einem Zwei-Jahres-Zyklus: Es gibt immer ein gutes und dann ein schlechtes Erntejahr. Da 2008 im wichtigsten Anbauland Brasilien 131 Millionen Sack (zu je 60 Kilo) geerntet werden, wird 2009 wieder ein mageres Jahr. Denn 2007 lag die Ernte bei 118 Millionen Sack.

Zweitwichtigstes Handelsgut der Welt

Sorgen machen dem Verband nach wie vor die massiven Spekulationen. "Kaffee ist nach dem Erdöl das zweitwichtigste Handelsgut der Welt", erklärt Grafinger. Diverse Rohstoff-Fonds kontrollieren bereits ein Drittel der Ernte und treiben den Preis weiter nach oben. Erst Ende August hatte der Hurrikan Gustav die Kaffeepreise nach oben getrieben. Laut Experten ziehen sich zudem immer mehr Spekulanten aus Öl-Titeln zurück und investieren stattdessen in Kaffee.

Die Finanzkrise könnte den Run auf Kaffee noch verstärken. Denn sie lässt Anleger vermehrt in Agrargüter investieren.

Konsumenten müssen mehr bezahlen

Eine Erhöhung auch der Konsumentenpreise scheint bevorzustehen. Denn die stetig steigenden Preise für Grünkaffee, die hohen Energiepreise und die Inflation können nicht vollständig bei den Produzenten und Händlern aufgefangen werden. 

Preise in Österreich schwer vorhersehbar

Ob in Österreich Kaffee auch für die Konsumenten teurer wird, sei derzeit noch nicht abzuschätzen, analysiert der Chef des "Österreichischen Kaffeeverbandes", Helmut Grafinger. Denn im enormen Wettbewerb im Handel traue sich niemand, den ersten Schritt zu machen.

Jüngste Erhöhungen decken Kosten nicht

Zuletzt wurde der Kaffeepreis im heimischen Handel zweimal angehoben, die Preissteigerungen auf der Rohstoffseite bzw. die höheren Kosten für Energie, Logistik, Verpackung oder auch das Roadpricing seien dadurch aber bei weitem nicht abgedeckt, so Grafinger. Deutsche Röster gehen von einer Kaffeepreiserhöhung von 30 bis 50 Cent pro Pfund spätestens Anfang nächsten Jahres aus.

Steigender Dollar zieht Kaffeepreis mit

Für eine weiters Anziehen der Kaffeepreise spricht auch der Dollar-Kurs. Zuletzt konnten europäische Anbieter die steigenden Rohkaffeepreise durch den schwachen Dollar teilweise abfedern. Doch weil der Dollar-Kurs wieder im Ansteigen ist, könnte bei Kaffee ein Preisschub bevorstehen.

 

Österreicher trinken drei Tassen täglich

Der Pro-Kopf-Verbrauch von Kaffee in Österreich ist seit Jahren bei rund acht Kilogramm stabil. Jeder Österreicher trinkt statistisch mehr als 160 Liter Bohnenkaffee pro Jahr - das entspricht 1.100 Tassen pro Jahr bzw. etwa drei Tassen pro Tag.  Weltweit lag der Kaffeeverbrauch bei 7,482 Milliarden Kilo. Für 2008 werden um rund 260 Millionen Kilo mehr erwartet.

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