Das BZÖ feiert Haider: „Nur er ist unsere Erfolgsleiter“

(c) Reuters (Prammer)
  • Drucken

Die orangen Sympathisanten konnten das für sie imposante Ergebnis lange gar nicht fassen.

WIEN. „Er kommt“. Endlich ist er da. Eingeflogen aus Kärnten, trifft Jörg Haider kurz nach 19 Uhr ein. Blitzlichtgewitter. Ein Johlen geht durch die BZÖ-Zukunftsakademie nahe dem Volkstheater in Wien. „Jörgi, Jörgi“ ruft die Runde. Wieder und wieder. Haider, dem die Orangen fast die Verdreifachung ihres Wahlergebnisses von 2006 verdanken, wirft sich Peter Westenthaler in die Arme, wird zum Gratulieren weitergereicht.
Mit Haider kommt endlich Jubelstimmung auf. Begonnen hatte das Feiern beim großen Wahlsieger BZÖ nämlich erstaunlich ruhig. Ohne ihn, der für das erste TV-Statement erst einmal in Kärnten geblieben war. „Er kommt dann noch“, versichern einander die orangen Funktionäre und Sympathisanten am späten Nachmittag.

An die 100 BZÖler sind vor der ersten ORF-Hochrechnung da, laufend werden es mehr. Sie wissen schon jetzt: Das Ergebnis wird zweistellig, deutlich besser, als es die Meinungsforscher prophezeit hatten. Mit breitem Grinsen wird auf Schultern geklopft. Stefan Petzner, Haiders Sprecher und BZÖ-Generalsekretär, lässt sich mit weiblichen BZÖ-Fans fotografieren. „Ein schönes Ergebnis“, hört man ständig. „Ein Wahnsinn.“ „Heute scheint die Sonne für das BZÖ“, sagt Klubchef Peter Westenthaler immer wieder, in Mikrofone, in Fernsehkameras, diktiert es Journalisten. „Ich habe gespürt, mit Haider an der Spitze kann das funktionieren.“ Das Gespür hat ihn nicht getäuscht.


Es ist eng und stickig, die berühmten Schweißperlen auf der Oberlippe, für die einst Gusenbauer Hohn geerntet hat, sieht man hier in fast allen Gesichtern. Bis zur Hochrechnung bleibt es ruhig. Keine Musik, keine Siegeslieder à la „The winner takes it all“ werden eingespielt, das hebt man sich für später auf. Dann, wenn Haider endlich kommt. Das FPÖ-Ergebnis bei der Hochrechnung nimmt man demonstrativ ruhig hin, beim orangen Balken wird erstmals gejubelt.


„Das BZÖ ist der erste Wahlsieger, die FPÖ der zweite, das muss man ganz klar so sehen“, sagt Westenthaler zur „Presse“. Ist das Erstarken des dritten Lagers als Regierungsauftrag zu verstehen? „Absolut“, sagt Westenthaler. Das BZÖ sei zum Regieren bereit, „mit wem auch immer“. Ja, auch mit der FPÖ. Eine Wiedervereinigung mit den Blauen befürwortet er aber nicht. Thema ist ein Zusammenschluss – gemeinsam hat man nach derzeitigem Stand fast so viele Mandate wie die SPÖ – bei der BZÖ-Feier natürlich schon. „Klar, wir wären dann sehr stark“, hört man. „Aber das müssen die Chefs entscheiden“, sagt eine Sympathisantin. Aber das ist Zukunftsmusik. „Heute feiern wir.“ Und warten auf „den Jörg“.


Als Haider kommt, wird er gleich vor die ORF-Kamera geholt. Im Interview erfahren er und die versammelte Runde, dass FPÖ-Chef Strache eine Regierung mit BZÖ-Beteiligung plötzlich nicht mehr ausschließt. Spöttisches Gelächter. „Wir haben von Anfang an niemanden ausgeschlossen, daher müssen wir unsere Linie jetzt nicht ändern“, sagt Haider, die Runde jubelt. Der Landeshauptmann überrascht dann selbst auch ein wenig mit seiner Ankündigung, als Klubchef zur Verfügung zu stehen. Der derzeitige, Westenthaler, nimmt das mit neutraler Miene entgegen.

Wahlparty vorerst ohne Haider


Ohne Haider als Spitzenkandidat, darüber sind sich alle einig, wäre das starke Wahlergebnis nicht möglich gewesen. „Er ist unsere Erfolgsleiter“, sagt eine Frau im orangen Shirt. Endlich erklingen auch Lieder, zu denen es sich feiern lässt. „We are the champions“, „The winner takes it all“. Dann bricht die Runde zur Party ins schicke „Stylez“ im grün regierten siebenten Bezirk auf. Vorerst wieder ohne Haider. Der ist zu diesem Zeitpunkt schon bei der TV-Diskussion im Parlament.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.09.2008)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.