Mit der „SJ-Seilschaft“ nach oben

PORTRÄT.Doris Bures dirigierte den SPÖ-Wahlkampf. Sie ist fast schon beliebt.

Wien (oli). In ihrer ersten Amtsperiode als Bundesgeschäftsführerin von 2000 bis 2006 hatte Doris Bures keine gute Nachrede: Sie habe ihre Kollegin Andrea Kuntzl hinausgebissen, sie sei intrigant, herrschsüchtig, kontrollwütig, habe nicht zwei Ellenbogen, sondern vier. Er halte ihr „Kampfkreischen“ nicht mehr aus, beklagte ein Funktionär.

2007 wurde Doris Bures Frauenministerin. Sie gab sich fortan sanfter, der keifende Unterton in ihrer Stimme war verschwunden, ihre sachpolitische Bilanz in den Agenden Frauen, Beamte und Medien konnte sich sehen lassen. Langsam, aber stetig stiegen auch ihre Imagewerte. Am Ende war Bures dann fast schon beliebt. Heute wird sie sogar in der „Krone“ gefeiert. Das mag freilich auch damit zusammenhängen, dass Werner Faymann, der Liebling des Herausgebers, ihr Chef ist.

Faymann und Bures – das ist eine lange Geschichte. Eine des gemeinsamen Aufstiegs von ganz unten nach ganz oben. Als Faymann das Amt des Chefs der Mietervereinigung abgab, folgte ihm Bures nach. Ihre gemeinsame Heimat ist die SPÖ-Wien-Liesing. Beide kamen über die Anti-AKW-Bewegung zur Sozialistischen Jugend. Im Gegensatz zum Mittelstandskind Faymann stammt Bures aus ärmlichen Verhältnissen, als sie sechs war, verließ der Vater die Familie, sie wuchs mit ihren fünf Geschwistern bei der alleinerziehenden Mutter auf. Sie habe in ihrem Leben viele Ungerechtigkeiten erdulden müssen, erzählte Bures einmal. Das hat sie hart gemacht – gegen sich selbst, aber auch gegen andere.

Die „SJ-Seilschaft“ nahm sie mit nach oben, die Zahnarzthelferin war dort Sekretärin gewesen, Josef Cap war Bundesobmann, Alfred Gusenbauer politischer Sekretär, später selbst SJ-Chef, Werner Faymann Wiener SJ-Obmann, Josef Kalina Landessekretär. Ebenfalls mit dabei: der heutige Geschäftsführer der Gratiszeitung „Heute“, Wolfgang Jansky, bis vor kurzem Bures' Lebensgefährte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.09.2008)

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