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Wahlmotive: Protest und Spitzenkandidaten

(c) Reuters (Miro Kuzmanovic)
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Geht es nach den Motivforschern, hat der "Rechtsruck" bei den gestrigen Wahlen vor allem einen Grund: Protest gegen die Regierung. Bei SPÖ und ÖVP war der Wunsch, den eigenen Kandidaten zum Kanzler zu machen, zumeist Vater des Wahlgedankens.

Die Nationalratswahlen sind geschlagen, nun beginnt die Aufarbeitung des Ergebnisses durch Experten und Parteistrategen. Schon am Wahlabend wurden die ersten Analysen über die Wahlmotive der Österreicherinnen und Österreicher veröffentlicht.

Das Wiener Meinungsforschungsinstitut Sora untersuchte im Auftrag des ORF die Beweggründe der Wähler und stellte dabei fest, dass der gestrige Rechtsruck vor allem einen Grund hatte: Die Unzufriedenheit über die ineffiziente Große Koalition. Beide Rechtsparteien, sowohl FPÖ als auch BZÖ, konnten diesen Unmut für sich in Stimmen ummünzen.

Wähler wollen "frischen Wind"

65 Prozent der FPÖ- beziehungsweise 67 Prozent der BZÖ-Wähler gaben an, die jeweilige Partei gewählt zu haben, damit "frischer Wind" in das blockierte System der Großen Koalition kommt. Damit nicht genug: "Protest gegen die Regierung" war unter den Wählern der FPÖ das zweithäufigste Wahlmotiv. Beim BZÖ zeigte sich dagegen, dass Jörg Haider seinen Glanz zumindest unter seinen Anhängern noch nicht verloren hat. Für 59 Prozent der Wähler war die Kandidatur des Parteigründers ein entscheidendes Motiv, Orange zu wählen.

Ein ganz anderes Bild zeichnen die Motivforscher von Noch-VP-Chef Wilhelm Molterer. Nur ein Viertel der VP-Wähler waren vom amtierenden Finanzminister derart überzeugt, dass sie deswegen auch die Volkspartei ankreuzten. Bei der SPÖ konnte Werner Faymann mit 53 Prozent immerhin mehr als die Hälfte der SP-Affinen überzeugen. Etwas schlechter schnitten der grüne Bundessprecher Alexander Van der Bellen (49 Prozent) und FP-Chef Heinz-Christian Strache (47 Prozent) ab.

SP, VP: Kanzlerfrage als Hauptmotiv

Bei den beiden ehemaligen Großparteien SPÖ und ÖVP kristallisierte sich die Kanzlerfrage als Hauptmotiv (SPÖ 78 Prozent, ÖVP 75 Prozent) heraus. Für die Wähler der SPÖ war die eigene Stammwählerschaft das zweitwichtigste Wahlmotiv, für die ÖVP war es, dass man sich von der Partei am besten vertreten fühlt. Die vollmundigen Wahlversprechen blieben dabei beinahe ohne Resonanz: Nur für 17 Prozent der Befragten hatten die Ankündigungen der Parteien Einfluss auf ihre Wahlentscheidung.

(Red.)