Er ist das freundliche Gesicht der Volkspartei. Aber ist er auch hart genug für den Job? Ein Porträt.
Es ist schneller gegangen als erwartet. Bei Josef Prölls Geburtstagsfeier vor zwei Wochen stellte sich auch Christian Konrad mit einer Laudatio ein. Der Raiffeisen-General und niederösterreichische Landesjägermeister verglich den Jubilar dabei mit einem Wildschwein: Dieses entwickle sich vom Frischling zum Keiler und dann, mit „50, 60 Jahren“ sei es zum „Hauptschwein“ herangereift. Josef Pröll feierte an diesem Tag seinen 40. Geburtstag.
Nun darf sich Josef Pröll – um in der Terminologie zu bleiben – geschäftsführendes „Hauptschwein“ der ÖVP nennen. Und es wird nicht mehr lange dauern, dann kann er auch das lästige Attribut „geschäftsführend“ abschütteln.
Josef Pröll ist der Werner Faymann der ÖVP. Ebenso nett, charmant und verbindlich. Kein Wunder also, dass sich die beiden so gut verstehen. Pröll ist als einer der wenigen ÖVP-Granden auch in der „Krone““ wohlgelitten.
Sein Fach beherrscht der Landwirtschafts- und Umweltminister. Als er im Frühjahr 2008 innerparteilich seinen Anspruch auf den vakant gewordenen Posten des Innenministers anmeldete, waren jedoch nicht alle begeistert. Es sei die Frage, ob jemand, der bislang „nur Genussregionen eröffnet“ habe, für diesen Job die nötige Härte mitbringe, spöttelte ein Parteifreund. Auch seine bisherige Loyalität zu Molterer wurde ihm mitunter als Schwäche ausgelegt.
Josef Pröll ist dennoch das größte politische Talent, das die Volkspartei derzeit hat. Bei der Nationalratswahl 2008 schaffte der niederösterreichische Spitzenkandidat nicht nur das beste Landesergebnis für die ÖVP, er erhielt auch 55.013 Vorzugsstimmen – ein Rekordwert. Zum Vergleich: Wolfgang Schüssel hatte in seinem erfolgreichen Kanzlerwahlkampf des Jahres 2002 31.066 Vorzugsstimmen vorzuweisen.
Und es war Wolfgang Schüssel, der Josef Pröll nach dieser Wahl und den nachfolgenden Regierungsverhandlungen im Februar 2003 das Amt des Landwirtschaftsministers anbot. Pröll folgte Wilhelm Molterer nach – zum ersten Mal. Er habe sich lange mit seiner Familie beraten, erzählte Pröll später, es seien die schwierigsten Stunden seines Lebens gewesen.
Josef Pröll stammt aus dem ÖVP-Adel Niederösterreichs. Onkel Erwin ist dort Landeshauptmann. Wie dieser wuchs auch er, der Weinbauernsohn, in Radlbrunn im Weinviertel auf. Er studierte an der Universität für Bodenkultur Landwirtschaft, begann seine berufliche Karriere bei der Landwirtschaftskammer in St.Pölten, danach arbeitete er als Referent beim Bauernbund. Dann kreuzten sich erstmals seine Wege mit denen Wilhelm Molterers. Pröll wurde dessen Kabinettschef, kehrte jedoch nach eineinhalb Jahren zum Bauernbund zurück – als Direktor. Bis ihn Wolfgang Schüssel kontaktierte.
Nun tritt er beider Erbe an.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.09.2008)