Trotz der Flut von Dollar und Euro der Zentralbanken funktioniert die Umverteilung des Geldes unter den Banken kaum noch. "Die Finanzmarktkrise ist zu einer globalen Vertrauenskrise geworden", sagte Michael Heise, Chefvolkswirt Allianz/Dresdner. Die Banken in der Euro-Zone parkten ihr Geld über Nacht in einem noch nie dagewesenen Ausmaß bei der EZB, anstatt es sich gegenseitig auszuleihen.
Das vorläufige Scheitern des Rettungspaketes für die US-Banken im Washingtoner Repräsentantenhaus trieb Händlern zufolge zudem beim Dollar-Tender der Europäischen Zentralbank (EZB) den Zins auf elf Prozent. Indirekt übernehme die EZB die Umverteilung der Banken, was langfristig nach Einschätzung von Commerzbank-Volkswirt Michael Schubert nicht im Interesse der Notenbank ist.
Das latente Misstrauen zwischen den Banken wird in den täglich von der EZB bekanntgegebenen Statistiken sichtbar. So parkten die Banken über Nacht bei der EZB 44,4 (Vortag 28) Mrd. Euro - so viel wie noch nie seit der Einführung des Euro vor fast zehn Jahren. Dabei handelte es sich um Geld, das sie nicht benötigten, es aber auch nicht einer anderen Bank leihen wollten. In normalen Zeiten belief sich das Volumen hier meist auf einen unteren dreistelligen Millionenbetrag. Denn hierfür bekommen die Banken nur 3,25 Prozent Zinsen - verglichen mit einem Leitzins von 4,25 Prozent.
Zugleich mussten Banken, die offenbar über den Geldmarkt keine Mittel fanden, bei der EZB knapp 15,5 (Vortag 6,8) Mrd. Euro aufnehmen - und dies teuer mit 5,25 Prozent Zinsen bezahlen. Auch dieses Volumen liegt normalerweise im dreistelligen Millionenbereich. Seit Dezember 2002 hatten die Banken sich nicht mehr so viel Geld bei der EZB leihen müssen. Händler vermuten, dass den Banken damit Zinsvorteile von mehr als einem Prozentpunkt verloren gehen. "Es geht nicht um Renditen, sondern um Sicherheit", fasst Unicredit-Analyst Kornelius Purps zusammen.
(APA)