„Schwarzes Jahr“ für Wiener Börse

Erst im Frühjahr 2009 soll es mit österreichischen Aktien aufwärts gehen.

Wien(höll). Wer an der Wiener Börse investiert ist, kann das komplette Jahr abschreiben. Seit Anfang Jänner hat sich der Marktwert aller an der Wiener Börse gelisteten Titel halbiert. Der Leitindex ATX ist um fast 40 Prozent gefallen und notiert auf dem tiefsten Stand seit drei Jahren. Solange die Finanzkrise nicht vorüber ist, raten Analysten vom Kauf von Aktien ab.

Die Empfehlung „Buy on Bad News“ sollte derzeit nur selektiv und von langfristig orientierten Investoren angewendet werden, meint Erste Bank-Chefanalyst Friedrich Mostböck. Seiner Ansicht nach soll es aber in den ersten beiden Quartalen 2009 aufwärts gehen.

Doch Analysten haben sich zuletzt nicht immer mit Ruhm bekleckert. So gab es praktisch keinen Finanzexperten, der das Ausmaß der jetzigen Bankenkrise vorhersagte. Bemerkenswert ist, dass nur ein einziger ATX-Wert seit Jahresbeginn einen Kursgewinn aufweist. Dabei handelt es sich um die Post mit einem Plus von 2,68 Prozent. Interessant ist auch, dass die Finanzwerte gar nicht zu den größten Kursverlierern gehören. Den stärksten Einbruch erlitt der Leuchtenhersteller Zumtobel. Die Vorarlberger Firma vermeldete erst vor kurzem auf Grund der allgemeinen Konjunkturschwäche einen starken Gewinneinbruch.

Auf Platz zwei im Verlierer-Ranking liegt Voestalpine – mit einem Minus von 56 Prozent, was für Analysten völlig überraschend ist. Einige Branchenexperten begründen die Talfahrt mit der Befürchtung, dass der Stahl-Boom zu Ende geht. Zudem habe sich Voestalpine nicht gerade den besten Zeitpunkt für die Errichtung eines fünf Mrd. Euro teuren Stahlwerks am Schwarzen Meer ausgesucht, heißt es. Ein regelrechtes Kursmassaker verzeichnete ebenfalls der Immobilien-ATX. Ganz oben auf der Verliererseite liegt Immoeast mit einem Minus von mehr als 75 Prozent. Stark bergab ging es auch mit Immofinanz und CA Immo.

Ausländische Investoren fliehen

Vor allem ausländische Investoren kehren der Wiener Börse den Rücken. Die Nähe Wiens zu Osteuropa, wo ein größerer Konjunktureinbruch befürchtet wird, treibe viele in die Flucht, heißt es.

Am Dienstag waren die heimischen Aktien starken Kursschwankungen ausgesetzt. Nach dem historischen Kurssturz vom Montag ging in der Früh wieder bergab. Zu Mittag änderte sich die Situation und die meisten Werte lagen im Plus. Vor allem Verbund und Voestalpine legten zu. Der ATX schloss bei 2767,76 Punkten (plus 0,4 Prozent).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.10.2008)

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