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Banken-Rettung: Russland greift in die Staatskasse

Auch milliardenschwere Subventionen dämpfen Panikattacken nicht.

Moskau. Je mehr sich Russland mit dem Westen zerkracht, umso offensichtlicher wird andererseits, wie stark es wirtschaftlich mit ihm zusammenhängt. Regierung und Zentralbank seien an der Grenze zur Panik angelangt, sagt Andrej Tscherepanow, vormals Sektionsleiter für Zentralbankfragen im Finanzministerium: „Noch fürchten sie, einzugestehen, dass das Finanzsystem des Landes in der Krise ist.“

Was als Panik gedeutet wird, ist die jüngste Rettungsaktion der Regierung. Um die Folgen der US-Finanzkrise abzufedern, hat die Duma am Montag beschlossen, 50 Mrd. Dollar (34,6 Mrd. Euro) aus den Währungsreserven zur Stützung schuldenbeladener Firmen bereitzustellen. Das Geld, das über die staatliche Entwicklungsbank ausgegeben wird, dient der Rückzahlung von Auslandskrediten, die bis zum 25. September aufgenommen worden sind.

 

Banken machen Schotten dicht

Im Laufe der letzten Jahre haben russische Firmen eifrig Geld im Ausland geliehen. Von den angehäuften 477 Mrd. Dollar Schulden entfallen 171 Mrd. Dollar auf Banken. Laut Berechnungen von Investmentbanken sind bis Jahresende 65 Mrd. Dollar fällig. Mit 581 Mrd. Dollar hat Russland der Welt drittgrößte Währungsreserven.

Selbst große Staatsbanken wie die Sberbank, die zuletzt mit staatlichen Notfallkrediten gepolstert worden sind, haben die einst großzügige Kreditvergabe erschwert: „Noch vor wenigen Monaten hat mir die Sberbank Millionen förmlich aufgedrängt“, erzählt ein Unternehmer der Lebensmittelindustrie: „Im Moment nützt mir nicht einmal meine langjährige Kredithistorie, um zu 100.000 Dollar zu kommen.“

Das Wachstum 2007 von 8,1 Prozent werde sich nicht so bald wiederholen, prognostizieren Experten. Pessimisten erwarten für 2009 gar nur noch vier Prozent.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.10.2008)