Die Aktien der italienischen Großbank stürzen ab. Das Management ist „absolut zuversichtlich“, die Regierung gelassen.
Wien/Mailand/München/Dublin (dom/ag).Hochgradige Nervosität herrscht in Europas Finanzbranche. Nun bekommt das auch die italienische Großbank UniCredit, die Mutter der Bank Austria, zu spüren, nachdem zu Wochenbeginn gleich drei Institute, die deutsche Hypo Real Estate, die britische Hypothekenbank Bingford & Bradley sowie die belgisch-niederländische Finanzgruppe Fortis, durch staatliche Milliardenspritzen vor dem Kollaps bewahrt wurden.
Nach Kursstürzen musste die Aktie der UniCredit sowohl am Montag als auch am Dienstag vom Handel ausgesetzt werden. Am Dienstagnachmittag sackte die Aktie auf den tiefsten Stand seit Dezember 1997 ab. UniCredit-Chef Alessandro Profumo war um Beruhigung bemüht. „Wir sind absolut zuversichtlich, die Gruppe ist solide,“ schrieb der Bankboss in einem Mitarbeiterbrief. Mit Liquidität, derzeit bei vielen Instituten ein gravierendes Problem, sei sein Haus exzellent ausgestattet.
Belastet wird die UniCredit durch Gerüchte, die Bank habe größere Außenstände bei der soeben nur knapp an der Pleite vorbeigeschrammten deutschen Hypo Real Estate. Diese wurde vor einigen Jahren von der UniCredit-Tochter HypoVereinsbank abgespalten. Exakte Zahlen zum Engagement beim maroden deutschen Immobilienfinanzierer nennt man in Mailand aber nicht, was die Unsicherheit nur noch steigert.
Mit einer Bilanzsumme von rund 1000 Mrd. Euro gehört die UniCredit zu den größten Banken Europas. Sollte sie tatsächlich in Gefahr geraten, kann sie daher mit staatlicher Unterstützung rechnen, vermutlich würden Italien, Österreich und Deutschland einspringen.
Die angespannte Situation rund um die UniCredit rief am Dienstag auch Italiens neues „Finanzstabilitätsforum“, dem Vertreter der obersten Finanzbehörden angehören, auf den Plan. Lando Sileonai, der Generalsekratär des italienischen Bankenverbands, versuchte, die Sparer zu beruhigen. Auch Regierungschef Silvio Berlusconi zeigte sich unbesorgt. Dass er als Beweis für die Handlungsfähigkeit der italienischen Politik ausgerechnet die Alitalia nannte, dürfte allerdings die Nervosität eher steigern.
Staatshilfe für Dexia
Die angeschlagene Immobilienbank Dexia wurde in der Nacht zum Dienstag mit vereinten Kräften von Belgien, Frankreich und Luxemburg gerettet. Das Institut, das mit 49 Prozent an der österreichischen Kommunalkredit AG beteiligt ist, bekommt frisches Kapital in Höhe von 6,4 Mrd. Euro. Die Bank war vor allem wegen ihrer US-Versicherungstocher FSA ins Trudeln geraten. Als Gerüchte über Liquiditätsprobleme die Runde machten, war die Aktie um rund 30 Prozent eingebrochen. Nach Bekanntgabe der rettenden Milliardenspritze schoss der Aktienkurs um 17 Prozent nach oben.
„Ihr Geld ist absolut sicher bei Dexia,“ sagte Vorstandschef Axel Miller. Er trat zugleich von seinem Posten zurück, um „ein starkes Signal zu geben, dass die Banker in schwierigen Zeiten Verantwortung übernehmen“. Auch Aufsichtsratschef Pierre Richard trat zurück.
Noch vor dem Jahresende könnte laut Medienberichten die Bayerische Landesbank eine Milliardenspritze brauchen. Das Institut, das je zur Hälfte dem Freistaat Bayern und den bayrischen Sparkassen gehört, leidet wie auch andere deutsche Landesbanken schwer unter der Finanzkrise. Bisher dürfte sich die Ausfälle auf knapp fünf Mrd. Euro belaufen. Wie hoch die Verluste tatsächlich sind, wurde von den verantwortlichen Politikern allerdings lang verschleiert, was auch zum schlechten Abschneiden der CSU bei der Landtagswahl beigetragen haben dürfte.
Milliarden für die BayernLB?
Derzeit wird überlegt, dass die Eigentümer der Landesbank mit einer Milliardengarantie unter die Arme greifen. Die EU-Kommission sieht darin allerdings eine Wettbewerbsverzerrung und lehnt derartige Stützungsmaßnahmen ab. Denkbar wäre auch eine Teilprivatisierung der BayernLB oder eine Fusion mit der weitaus stärkeren Landesbank Baden Württemberg.
Die Bayerische Landesbank war noch vor dem Ausbruch der US-Immobilienkrise bei der Kärntner Hypo Alpe Adria Group eingestiegen. Beim Verkauf der Bawag waren die Bayern bis ins Finale gekommen, dann aber dem US-Fonds Cerberus unterlegen.
Nach dem Nein des US-Repräsentantenhauses zum Finanzhilfepaket machte Irlands Regierung am Dienstag kurzen Prozess. Sie gab eine Garantie für alle Bankeinlagen für die nächsten zwei Jahre ab. Mit bis zu 400 Mrd. Euro abgesichert werden die Einlagen von Privaten, Firmen und anderen Banken bei den sechs größten Instituten. Irland wurde von allen europäischen Ländern am härtesten von der internationalen Finanzkrise getroffen. Am Montag erlitten irischen Bankaktien die schwersten Verluste seit 20 Jahren.
AUF EINEN BLICK
■Kräftig unter Druck geraten ist die italienische UniCredit, die Mutter der Bank Austria. Die Aktie stürzte auf den tiefsten Stand seit 1997. Bank-Chef Profumo versucht zu beruhigen.
■Die Dexia-Bank, die in Österreich an der Kommunalkredit beteiligt ist, bekam eine staatliche Milliardenspritze. Die Bayerische Landesbank, Großaktionär der Kärntner Hypo Alpe Adria, könnte bald auch Milliardenunterstützung benötigen. Und Irland übernimmt die Garantie für die Einlagen von sechs Banken.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.10.2008)